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Ruby Goss

Senior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

instagram.com/ruby.goss/

Dieser Artikel ist Teil unserer Kampagne "Eine kulinarische Weihnachtsstory", in der wir uns mit traditionellen und modernen Gerichten aus aller Welt beschäftigen. Gemeinsam besuchen wir das Weihnachten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Wir teilen lustige Rezepte, Last-Minute-Geschenkideen, Tipps für die Zubereitung eines kleineren Festmahls (für den Fall, dass du Social Distancing betreibst) und jede Menge unbeschwerte Inhalte zum Entspannen für die Zeit zwischen den Jahren. Unter diesem Link findest du einen Überblick über all unsere wöchentlichen Themen, Geschichten, Rezepte und mehr.

Wie bei vielen Menschen aus ehemals kolonialisierten Ländern, in meinem Fall Australien, ist die Geschichte meiner Familie von Immigration geprägt. Alle vier meiner Großeltern wurden in unterschiedlichen Ländern geboren. Unser Weihnachtsmenü besteht aus einer Mischung aus euro-asiatischen, deutschen, englischen und jetzt auch schwedischen Festtagsspeisen – es ist ein Flickenteppich von Familienrezepten, der sich ständig weiterentwickelt, je nachdem, wo wir gerade zu Hause sind. Wenn man sich anschaut, was wir in der Vergangenheit gekocht haben, erkennt man unsere Versuche durch geliebte Mahlzeiten die Distanz zu überbrücken – als Familie sind wir über zwei Hemisphären und drei Länder verteilt. Dementsprechend verbringen wir die Feiertage oft getrennt voneinander. Vor allem in diesem Jahr ist das unvermeidlich.

Für den 24., 25. Und 26. Dezember gibt es in meiner Familie einen groben kulinarischen Fahrplan: jeder Tag ist eine Hommage an eine der verschiedenen Wurzeln meiner Familie. Solange ich mich erinnern kann war der 1. Weihnachtsfeiertag abenteuerlich – die klare Konstante: köstliche Kreationen, die uns an unsere Verwandten erinnern und uns dazu brachten, unseren Gürtel zu lockern. Als hätten wir uns stillschweigend darauf geeinigt, verschwand der britische Truthahn, den man an Weihnachten auf so vielen australischen Esstischen findet, von unserem Festtagsmenü. Stattdessen gab es in einem Jahr gebackene Enten, gefüllt mit Wildreis und Cranberries (entgegen der Sorge meiner Mutter haben wir davon keine Salmonellen bekommen, obwohl sie sie über Nacht aus Versehen im Waschbecken hat auftauen lassen). In einem anderen Jahr brachte meine Tante Nigella Lawsons kontroversen, mit Coca-Cola glasierten Weihnachtsschinken mit – köstlich, wenn ihr mich fragt. Und einmal entschied sich meine Mutter dazu, ihre deutschen Wurzeln in den Mittelpunkt zu stellen: Es war ein ganz besonders schwüler Heiligabend (das Thermometer im Haus zeigte 35°C an) und meine Mutter kämpfte mit einem Stollenteig voller Früchte, die sie zuvor wochenlang in Rum eingeweicht hatte. Dabei füllte sich die ganze Küche, in der die warme Luft ohnehin kaum auszuhalten war, mit dem Geruch von Schnaps.

Mittlerweile gibt es bei uns an Heiligabend ein adaptiertes Smörgåsbord mit verschiedenen schwedischen Speisen, ein kleiner Hinweis auf den Ort, an dem meine Mutter und mein Bruder jetzt zu Hause sind und an dem ich üblicherweise Weihnachten verbringe. Fleischbällchen aus Schwein und Wild, buttriger Graved Lachs aus der Markthalle, gefüllte Eier, hausgemachte eingelegte Heringe und Salat aus roter Bete fühlen sich mittlerweile genauso vertraut an wie die Gerichte, die ich als Kind gegessen habe. Vielleicht machen wir dieses Jahr einen Weihnachtspudding mit geschlagener, von Brandy durchzogener Butter und denken an Melbourne. Höchstwahrscheinlich werden wir eine unverschämt riesige Pavlova verputzen. Außerdem wette ich, dass meine Schwester in Australien schwedische gefüllte Eier an Heiligabend machen wird. Vielleicht kann sie sogar ihre kleine Tochter dafür begeistern, deren erstes Weihnachten ich verpassen werde.

Am dritten Tag des Festschmauses ist niemand mehr besonders hungrig – und meistens gibt es viel zu viele Reste – aber wir kochen trotzdem noch, weil es uns beschäftigt und bestärkt, vor allem, wenn so viele Leute fehlen. Dieser Tag, wir nennen ihn “Boxing Day”, ist eine nostalgische Hommage an Malaysia. In Malakka haben wir tagelang Weihnachten gefeiert, mit der erweiterten Familie meines Vaters. An heißen Abenden haben wir unsere Teller mit den größten Hits aus der euro-asiatischen Rezeptsammlung meiner Großtante voll geschaufelt: teuflisches Hähnchencurry (es trägt seinen Spitznamen nicht umsonst), Cottage Pie mit Shiitake, würzige Schweineohren und ein Salat names Sebak, der Tofu und Gurken enthält. Danach gab es unendliche Ananas-Tartes und Grießkuchen mit Mandeln und Rum, während ich meiner Familie dabei zuschaute wie sie zu Country und Western tanzte (mit meiner Koordinationsfähigkeit kann ich davon nur träumen). Ich freue mich immer auf den 26. Er gibt mir die Möglichkeit, meine Aufmerksamkeitsspanne zu testen, wenn ich meine Mutter dabei beobachte wie sie die Rezepte meiner Urgroßmutter kocht und mich daran erinnere, wie meine Großfamilie Weihnachten zusammen gefeiert hat. Die ganze Siedlung leuchtete, naja, wie ein Weihnachtsbaum.

Das beste an Weihnachten ist, dass alle es auf ihre eigene Art und Weise feiern – überall auf der Welt. In diesem Sinne ist hier ein kleiner Schnappschuss, der unsere Herkunft und unsere Reisen nachzeichnet, mit Gerichten aus Japan bis Puerto Rico. Vielleicht sind manche davon schon auf eurem Menü oder vielleicht ist es an der Zeit, eine neue Tradition zu beginnen.

Was werdet ihr an Weihnachten kochen? Welche Traditionen wollt ihr wiederbeleben? An wen werdet ihr denken? Wohin werden eure Gerichte euch transportieren? Erzählt es uns in den Kommentaren!

Gefüllte Eier (Schweden und Skandinavien)

Kitsch hat in der Lebensmittelfotografie ein beeindruckendes Comeback hingelegt, aber in Schweden wurde nie damit aufgehört, zum Smörgåsbord gefüllte Eier zu servieren! Irgendwas an diesen alles-in-einem Häppchen ist unbestreitbar festlich und man kann sie mit Kaviarperlen und Dillzweigchen sofort auf die nächste Stufe bringen.

Andere schwedische Weihnachtsgerichte sind “Janssons Versuchung”, ein cremiges Kartoffelgratin mit Sardellen, eingelegte Heringe mit Zimt, Nelken und Zitrusschalen, die allgegenwärtigen Fleischbällchen und Milchreis.

Frittiertes Hähnchen (Japan)

Obwohl es in Japan kein offizieller Feiertag ist, feiern jedes Jahr laut der BBC 3,6 Millionen japanische Familien Weihnachten – mit frittiertem Hähnchen. Die Tradition geht auf eine Werbekampagne der 70er Jahre zurück, die frittiertes Huhn von KFC als Alternative zum Truthahn zeigte, für alle, die ihr Zuhause vermissen. Egal, ob du für immer wechseln willst oder nicht, kleine Unternehmen brauchen unsere Unterstützung mehr denn je, also ruf dein lokales Hähnchen-Restaurant an und bestell dir einen vorweihnachtlichen Schmaus, ganz ohne Arbeit.

Pasta mit Meeresfrüchten (Italien)

Traditionellerweise feiert man Heiligabend in Süditalien mit dem poetisch klingenden “Festmahl der sieben Fische”. Hier kannst du alles von gemischten frittierten Meeresfrüchten bis hin zu Spaghetti Vongole erwarten. Lass dich davon inspirieren und serviere eine Schüssel voller kringeliger, mit Muscheln durchsetzter Pasta als Hauptattraktion bei deinem Weihnachtsmenü. Muscheln sind eine nachhaltigere Option als viele Fische, die das Meer zu bieten hat – gerade in Zeiten des Überflusses eine gute Wahl.

Wie in vielen Ländern sind die Weihnachtstraditionen in Italien von Region zu Region und von Familie zu Familie unterschiedlich, doch einige Gerichte wirst du überall finden: luftige Panettone (großartig, um sie am 25. morgens in den Espresso zu tauchen), Vitello tonnato, Pasta al Forno und Tortellini.

Pie (Großbritannien)

Alles, was in Teig eingewickelt wird – von Filet Wellington bis Mince-Pie-Törtchen – zählt als britisches Weihnachtsessen. Jetzt, wo immer mehr von uns versuchen, unseren Fleischkonsum zu reduzieren, kann ich euch den wunderschönen, gemüsegefüllten “Goodwill” Pie der vegetarischen britischen Köchin Anna Jones empfehlen. Bei diesem Pie wird weihnachtlich geröstetes Gemüse von einer mit Thymian aromatisierten Teigschicht umhüllt. Da fühlt sich sicherlich niemand ausgelassen.

Andere Klassiker auf einem britischen Festtagstisch sind Truthahn, ein großer, glasierter Schinkenbraten, Yorkshire Pudding, Rosenkohl und Saucieren voller Bratensoße.

Pavlova (Australien und Neuseeland)

Dieser Klassiker versteckt sich bei australischen Weihnachtsfesten oft neben einem weniger beliebten Gericht, gedämpftem Weihnachtspudding (meines Erachtens die perfekte Basis für Brandy Butter, die ich als Kind erstaunlicherweise geliebt habe) – verständlicherweise, wenn man bedenkt dass wir im Hochsommer feiern. Wenn du dich auf der Nordhalbkugel befindest, probier doch mal eine winterliche Pavlova, beispielsweise unsere leckere Variante mit Zimt und Birne.

Was sonst isst man an einem warmen Weihnachtstag? Ich glaube die Australier werden mit jedem Jahr etwas abenteuerlustiger, wenn es um das Festessen geht und tauschen deftige britische Gerichte und den Backofen gegen sommerliches Seafood ein und alles was man auf dem Grill zubereiten kann – sei es Lamm oder gerösteter Spargelsalat.

Leche Flan (Philippinen)

Flan ist auf den Philippinen ein Nationalgericht (unsere Designerin Ivette hat sogar eine Petition für ein Emoji am Laufen) und darf an Weihnachten natürlich nicht fehlen. Dieses glänzende Dessert aus Eigelb, gesüßter und ungesüßter Kondensmilch sieht aus wie aus dem Bilderbuch und ist gewissermaßen der Cousin der Crème Caramel.

Andere philippinische Festtagsessen an Weihnachten sind beispielsweise Lechon (ein ganzes gegrilltes Spanferkel), Queso de Bola (frittierte Käsebällchen), Bibinkga (ein Kuchen aus Klebreis und Kokosnuss), Puto Bumbong (gedämpfte Klebreiskuchen) und eine traditionelle heiße Schokolade, die Tsokolate genannt wird.

Sorrel Punch (Jamaika)

Dieser Punsch auf Rumbasis wird mit Hibiskusblüten, die im November und Dezember geerntet werden, und wärmenden Gewürzen zubereitet. Der würzige, aromatische, säuerliche und alkoholische Drink darf oft über Nacht durchziehen und wird eiskalt mit Zitrusfrüchten serviert – für die erfrischende Note.

An jamaikanischen Weihnachten wird außerdem häufig Ziegencurry, Schinkenbraten mit Kirschen, Nelken und Ananas sowie ein rumgetränkter Fruchtkuchen aufgetischt.

Coquito (Puerto Rico)

Coquito ist ein gewürzter Drink mit Kokosnuss und Rum aus Puerto Rico. Er wird mit Kondensmilch, weißem Rum, Zimt, Muskat und Vanille verfeinert und meistens nach dem Abendessen kredenzt – ich glaube ich weiß warum.

An Weihnachten gibt es in Puerto Rico außerdem häufig Pernil, eine langsam gegarte Schweineschulter in Adobo-Marinade, dazu werden Reis, Straucherbsen und Pasteles (mit Schweinefleisch, Kochbananen und Taro gefüllte Bananenblätter) serviert.

Äpfel (China)

Als wir in unserer Redaktionssitzung über Weihnachtstraditionen in aller Welt geredet haben, hat uns Xueci den charmanten Brauch des Apfelgeschenks zu Weihnachten in China erklärt. Heiligabend wird in Mandarin als Ping’anye (平安夜, Abend des Friedens) übersetzt, was sich ausgesprochen ähnlich wie pingguo (苹, Apfel) anhört – und damit ist auch die Tradition entstanden, sich zu dieser Jahreszeit gegenseitig “Friedensäpfel” zu schenken.

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Nussbraten mit brauner Soße und Kartoffelpüree

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Weißer Schokoladenbruch mit Cranberrys und Pistazien

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Panettone

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Truthahn mit Zitronen-Thymian-Füllung und Perlzwiebeln

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Einfacher Stollen mit weißer Schokolade, Pistazien und kandierten Mandarinen

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