Carolin Roitzheim

Redaktionsassistentin bei Kitchen Stories

Nudeln gehen immer (vor allem im September)! Von One-Pot-Gerichten bis hin zu hausgemachten chinesischen Nudeln – in diesem Monat geht es um jegliche Arten von Nudeln. Um immer auf dem Laufenden zu bleiben, klicke hier rein für die neuesten Rezepte und Artikel und vergiss nicht, uns auf Instagram für noch mehr Inhalte zu folgen.

Was bei unserem Pasta Monat natürlich auf gar keinen Fall fehlen darf, sind Nudeln aus dem Ofen aka unsere heißgeliebten Nudelaufläufe. Ich muss zugeben: Durch den relativ durchwachsenen Sommer, bin auch ich in den letzten Monaten schon ein paar mal schwach geworden und habe mir das ein oder andere dampfende Nudelgericht aus dem Ofen gezaubert. Sie machen satt, sind vielseitig und vor allem sind sie ein Comfort Food vom Allerfeinsten!
Bevor wir uns nun an die Arbeit machen und den Ofen vorheizen, habe ich noch einen kleinen Fun-Fact al Forno parat: Genau wie bei Kitchen Stories, findet sich der Ursprung des Auflaufs in unserer geliebten Hauptstadt Berlin. Dort wurde der erste moderne Auflauf angeblich im Jahr 1866 von dem Franco Kanadier Elmire Jolicoeur kreiert. 
Und jetzt kann ich versprechen, dass ich nicht übertreibe, wenn ich sage: Es erwarten dich geschmacklich (und auch optisch!) zwei echte Highlights direkt aus dem Auflauf-Himmel. Beide sind traditionell italienische Ansätze für Nudelaufläufe und haben durchaus das Potential, unserem All-Time-Favorite Lasagne den Rang abzulaufen. Und ganz am Schluss zeigen wir dir noch unsere neue Lieblings-Filmszene mit einem ganz besonderen Star.

Pasta al Forno: Auf die inneren Werte kommt es an

Übersetzt heißt dieses Gericht, schlicht und einfach “Nudeln aus dem Ofen”. Doch was sich dahinter verbirgt ist weit mehr: Dieses traditionelle Gericht aus Italien ist nicht nur köstlich, sondern hilft dir auch noch dabei, die Reste in deinem Kühlschrank aufzubrauchen. Es verwandelt sie in ein echtes Wohlfühlgericht, das so gar nicht als Resteessen anmutet. Der Clou: Eigentlich hat die passenden Zutaten, wie Nudeln, Dosentomaten oder Käse, jede*r fast immer zu Hause. Und durch leckere Extras wie (gekochte) Eier, Gemüse oder Fleisch wird das Gericht immer ein bisschen anders, aber mit unserer Auflauf-Erfolgsformel garantiert immer lecker! Wir konzentrieren uns also zunächst auf die inneren Werte und schlagen den italienischen Weg ein, um einen Pasta-Auflauf molto delizioso zu kreieren:

Unsere 4 Grundpfeiler für einen leckeren Nudelauflauf

1. Die Nudeln

Das Herzstück eines jeden Nudelauflaufs sind, wie der Name bereits ziemlich eindeutig macht, die Nudeln. Obwohl viele davon überzeugt sind, dass sich Pastasorten mit gerillter Oberfläche wie Penne, Rigatoni oder Spirelli besonders gut für Auflauf eignen, da diese die Soße am besten aufnehmen, kann man bei der Wahl der Nudeln eigentlich nicht viel falsch machen. Lediglich die Beschaffenheit deines Auflaufs verändert sich dadurch: Er wird entweder etwas luftiger, wenn du kleine Nudeln mit Hohlräumen verwendest oder du erhältst eine kompaktere Nudelschicht, bei Sorten wie dicken Paccheri oder auch Lasagneblättern. Auch übrig gebliebenen Nudeln vom Vortag, die oft bereits nicht mehr al dente sondern eher etwas weich und überkocht sind, lässt sich im Nudelauflauf ein neues kulinarisches Leben schenken. Selbst vor gefüllten Nudeln wie Tortellini oder auch Gnocchi musst du nicht Halt machen.

2. Die Tomatensoße

Man sagt: Pasta ohne Soße ist wie Pommes ohne Ketchup. Das gilt auch hier! Wie bei jedem anderen Nudelgericht ist die Soße beim Auflauf genauso essentiell für den guten Geschmack und entscheidend für das Gelingen. Was läge da näher als eine klassische aromatische rote Tomatensoße? Diese kannst du mit wenig Aufwand ganz leicht selbst machen: Zwiebel und Knoblauch in Olivenöl glasig dünsten, nach Bedarf mit (Rot-)Wein ablöschen und die Flüssigkeit etwas einkochen lassen. Anschließend Tomaten-Passata hinzugeben und mit Salz und Pfeffer würzen. Nach 15 Min. ist sie auch schon fertig: Ab in die Auflaufform damit! Wer es gerne etwas schärfer mag, fügt außerdem klein geschnittene Chilli oder Chiliflocken zur Soße hinzu und für noch mehr Aroma kannst du Sardellen mitbraten oder für eine vegetarische Version etwas Miso beigeben. Gelegentlich wird bei Pasta al Forno, wie auch bei der klassischen Lasagne, zusätzlich eine Béchamelsoße zubereitet und über die Nudeln gegeben. Wir haben uns in unserem Rezept allerdings ausschließlich für die rote Variante entschieden, damit der Auflauf nicht droht matschig zu werden.

3. Die Einlagen: Fleisch, Gemüse, Antipasti & Co.

Eigentlich ist alles in einem Nudelauflauf austauschbar. Statt Parmaschinken kannst du eine gute Salami verwenden oder sie durch verschiedene Sorte Salsiccia austauschen. Egal ob mit Trüffel, Fenchel, eine schärfere Sorte oder pur, entscheide frei nach deinem Geschmack und der Verfügbarkeit. Wenn du Speck in deinem Auflauf verwenden möchtest, solltest du ihn am besten vorher knusprig anbraten, so bekommst du extra Textur und leckere Röstaromen in deinen Auflauf. Vor allem im Süden Italiens dürfen kleine Hackbällchen, genannt Polpettine, in einer guten Pasta al Forno auf gar keinen Fall fehlen. Diese heben deinen Nudelauflauf definitiv nochmal auf ein neues Level. Dadurch wird das Ganze zwar auch ein wenig aufwendiger, du kannst sie aber wunderbar bereits am Vortag vorbereiten und am nächsten Tag verwenden. 
Fleisch ist dabei aber selbstverständlich kein Muss. Du kannst es durch jegliches Gemüse ersetzen oder ergänzen, was auch immer du gerade zu Hause hast. Auch tiefgekühltes Gemüse wie Erbsen eignen sich hervorragend und werden so vom Gefrierschrank-Hüter zur lecker überbackenen Gemüseeinlage.Für extra viel Geschmack, intensive italienische Aromen und etwas Abwechslung, füge Antipasti wie getrocknete Tomaten, Kapern, Sardellen hinzu oder was auch immer dein Vorrat an eingelegten Köstlichkeiten zu bieten hat. Selbst hartgekochte Eier passen hervorragend in einen Auflauf und sind ebenfalls eine typische, in Italien oft und gerne verwendete Einlage.
Durch das Fett, Öl oder das enthaltene Wasser der vielen unterschiedlichen Zutaten bleibt dein Auflauf schön saftig (aber nicht matschig!) und wird nicht trocken.

4. Der Käse

Diese vielen feinen Zutaten, die bereits in deinen Auflauf gewandert sind, möchten natürlich mit einer lecker knusprigen Käsekruste zugedeckt werden. (Versuchst du auch immer das Stück mit dem meisten Käse oben drauf zu ergattern?) Dafür eignet sich ein toller Hartkäse, wie Parmesan oder Grana Padano sehr gut. Da diese nicht so viel Wasser enthalten, werden sie besonders schön knusprig. Um das Gericht nicht nur am Ende mit Käse zu überbacken, kannst du neben Wurst, Gemüse oder Antipasti auch zwischendurch bereits etwas Käse untermischen. Wenn die meisten deiner Zutaten schon sehr salzig und würzig sind, balanciere dies durch cremigen-milden Ricotta oder Mozzarella aus. Weniger geschmacksintensive, milde Zutaten werden durch pikant-würzigen Pecorino oder andere gereifte Käsesorten ausgewogen und geschmacklich perfekt ergänzt.

Von Region zu Region verschieden, aber immer köstlich

Obwohl Pasta al Forno ein echter Klassiker der italienischen Küche ist, gibt es in den verschiedenen Regionen einige Unterschiede. In der sizilianischen Version zum Beispiel gehört zu den Zutaten auch unvermeidlich die Aubergine, welche meist in dünne Scheiben geschnitten oder gewürfelt und anschließend gebraten wird. In anderen Regionen gehören auch die bereits genannten, in Italien weit verbreiteten und heißgeliebten Mini-Hackbällchen unbedingt mit in die Form. Die Version mit Béchamelsoße entstand im mittleren Norden Italiens, von welcher sich vermutlich auch bekannte Gerichte wie die Lasagne und die emilianisch-romanischen Cannelloni ableiteten. Jedes überbackene Nudelgericht nimmt also die Zutaten und auch die Kultur des jeweiligen Ortes auf, an dem es zubereitet wird. Die überbackene Pasta ist deshalb eines der beliebtesten und bekanntesten Gerichte Italiens. Sie ist unglaublich vielfältig und hat die verschiedensten Geschmacksrichtungen und Variationen zu bieten.

Hier geht’s zu Christians Pasta al Forno Rezept:

Christian macht Pasta al Forno (italienischer Nudelauflauf)

Christian macht Pasta al Forno (italienischer Nudelauflauf)

→ zum Rezept

Nun, da du schon so einiges über die Basics und Grundpfeiler der Zubereitung einer großartigen Pasta al Forno weißt... Bist du bereit für die König*innenklasse der Nudelaufläufe? Dann stelle ich dir jetzt Timballo vor.

Timballo: Das Auge isst mit

Nudelauflauf ist in erster Linie extrem lecker, aber optisch meist kein herausragendes Meisterwerk. Bis jetzt! Mit diesem Rezept, einem Auberginen-Timballo, möchten wir uns also zusätzlich um die äußeren Werte und das Erscheinungsbild unseres Auflaufs kümmern, ohne dabei natürlich den köstlichen inneren Nudelkern zu vernachlässigen.

Ciao Bello: Nudelauflauf im hübschen Gewand

Der Name Timballo leitet sich vom französischen Wort für Trommel oder Pauke, timbale, ab und bezieht sich auf die trommelähnliche Gestalt des Gerichts oder der Form, in der es gebacken wird. Die Bezeichnung “Auflauf” wird diesem essbaren Kunstwerk eigentlich kaum gerecht, so sieht der Timballo eher aus wie ein Pasta-Kuchen oder sogar eine Torte. Als hätte sich der Nudelauflauf zu einem besonderen Anlass in seine feinste Robe gehüllt, vermittelt dieses Gericht das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Zugegebenermaßen ist seine Zubereitung auch nicht ganz so schnell und einfach wie ein gewöhnlicher Nudelauflauf. Doch es spricht nichts dagegen, sich ein paar fleißige Hände als Hilfe dazu zu holen und ein bisschen Arbeit nimmt man bei dem außergewöhnlich schönen Look doch gerne in Kauf. Aus diesem Grund wird Timballo auch oft an größeren Feierlichkeiten gereicht um bei den geladenen Gäst*innen mächtig Eindruck zu machen.
Die Grundidee des Gerichts: eine große Backform oder ofenfeste Schale mit Auberginen, Zucchini oder auch Teig auskleiden und mit reichlich Nudeln (oder manchmal auch Reis) und weiteren leckeren Nudelauflauf-Einlagen füllen. Traditionell wird er mit kleinen Nudelformen sowie Erbsen und einer klassischen Ragù-Soße gefüllt. Auch wir haben uns in unserem Rezept die Freiheit genommen, bei der Füllung etwas zu variieren und uns für eine sizilianisch-inspirierte Version entschieden. Nachdem das Ganze im Ofen gebacken wurde, kann der Auflauf nach einer kurzen Ruhezeit sogar wie ein echter Kuchen in Stücke geschnitten werden.

Hier geht’s zu unserem Auberginen-Timballo Rezept:

Timballo (italienischer Nudelkuchen)

Timballo (italienischer Nudelkuchen)

→ zum Rezept

Hingucker mit ungeklärter Herkunft

Vielleicht kommen dir die Komponenten und die Zutaten-Kombination unseres Rezepts schon etwas bekannt vor, denn unser Rezept ist vor allem inspiriert von einem anderen sizilianischen Nudelgericht: Pasta alla Norma.
Wo genau in Italien der köstliche Pasta-Kuchen allerdings seinen Ursprung fand, ist bislang nicht final geklärt und es bestehen weiterhin viele Meinungen dazu. Weit verbreitet sind die Annahmen, das Gericht sei unter arabischem Einfluss entstanden oder aber, dass französische Köch*innen es entwickelten, die im 18. und 19. Jahrhundert den Herrscherfamilien des Königreichs Sizilien dienten. Diese hatten sich zum Ziel gesetzt, ein Nudelgericht zu kreieren, welches weit aufwändiger und prunkvoller war als ein gewöhnlicher Auflauf, um es damit für den sizilianischen Adel ansprechend und würdig zu machen. Meiner Meinung nach ist ihnen das definitiv mehr als gelungen!

Timballo, Timpano, Tortino: Ein Filmstar mit vielen Namen

Auch der Timballo kann in verschiedenen Regionen in den unterschiedlichsten Variationen genossen werden und es gibt eine Vielzahl an traditionellen und modernen Rezepten. So wird er manchmal auch unter den Namen Bomba, Tortino oder Sartù, eine Reis gefüllte Version des Timballo, angeboten. 
Die ein oder anderen mögen die mit teigummantelte Variante des Gericht auch schon unter dem Namen Timpano auf der großen Kinoleinwand entdeckt haben. So feierte sie im US-amerikanischen Filmdrama “Big Night” 1996 ihr Filmdebüt und stahl darin den Oscar-, Emmy- und Golden Globe-Nominierten Darsteller*innen nahezu die Show. Hier kannst du dir die berühmte Filmszene ansehen, in welcher der Pastaauflauf mit Hingabe zubereitet und anschließend gebührend zelebriert wird.

Noch nicht genug von Nudelaufläufen? In diesen Rezeptsammlungen findest du noch mehr leckere Ideen aus dem Ofen:

Der perfekte Nudelauflauf: Rezepte für jeden Tag der Woche
10 wärmende Aufläufe, die du diesen Herbst kochen solltest
9 vegetarische Aufläufe, die dein Herz höher schlagen lassen


Was kommt in deinen liebsten Nudelauflauf um ihn für dich zum absoluten Wohlfühlgericht zu machen? Und kanntest du Timballo bereits oder hast ihn sogar schon gegessen oder selbst zubereitet? Verrate es uns in den Kommentaren!

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