Devan Grimsrud

Redakteurin bei Kitchen Stories

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Jeder kennt sie, doch selten stehen sie im Rampenlicht: Fleischbällchen! Solltest du bisher kein Fan von ihnen sein, werden wir dich heute überzeugen. In schier unendlichen Varianten (ja, wir reden auch von fleischlosen Fleischbällchen) tauchen sie in den Küchen der Welt auf, z. B. in der traditionell chinesischen Küche (Shi Zi Tou, übersetzt: Löwenköpfe), in den Niederlanden (Bitterballen), in Schweden (Köttbullar), Deutschland (Königsberger Klopse), Dänemark (Frikadellen), Japan (tsukune), Spanien (Albondigas), Italien (Polpette), Polen (Pulpety) und im Mittleren Osten (Köfte).

Aber Fleischbällchen ist nicht gleich Fleischbällchen: Jede Variante zeichnet sich durch etwas Besonderes aus und sorgt für gewisse Überraschungsmomente, z. B. wenn du in den unerwartet knusprigen niederländischen Bitterballen beißt oder in den Genuss eines butterweichen Königsberger Klopses kommst. Der deutsche Klassiker hat seinen Ursprung übrigens im heutigen Kaliningrad in Russland, ehemals königliche Haupt- und Residenzstadt Königsberg in Ostpreußen.

Das Beste an Fleischbällchen ist jedoch ihre Wandelbarkeit. Sobald du ein paar Grundlagen verinnerlicht hast, steht deinen Fleischbällchen-Träumen nichts mehr im Weg.

So bereitest du Fleischbällchen zu

Bevor du Frikadellen sogar aus dem Kopf zubereiten kannst, solltest du dich mit den 3 Hauptkomponenten beschäftigen: Fleisch, Bindemittel und zusätzliche Würzmittel. Abhängig davon, welche Art von Hackbällchen du essen möchtest, ändert sich auch die genaue Zusammensetzung dieser Zutaten. Dafür solltest du dir mehrere Fragen stellen.
✖ In welche Geschmacksrichtung möchtest du gehen: klassisch, vegetarisch, oder vielleicht doch etwas schärfer?

✖ Für welche Zubereitungsmöglichkeit entscheidest du dich: Braten in der Pfanne, Kochen im Topf, oder doch Backen im Ofen?

✖ Wie möchtest du deine Fleischbällchen servieren: in einer pikanten Sauce, einer Suppe oder mit einem cremigen Joghurt-Dip?

Sind alle Fragen geklärt, ist es ein Leichtes, deinen Fleischbällchen-Favoriten zu küren. Schauen wir uns die Hauptkomponenten nacheinander an.

Das Fleisch

Die Grundzutat einer jeden Bulette, Köttbullar oder Frikadelle ist das Hackfleisch. Rind, Schwein, Kalb, Hähnchen oder Lamm gehören zu den beliebtesten Sorten und können einzeln oder in Kombination verarbeitet werden. Gute Beispiele dafür sind die italienisch-inspirierten Meatballs in den USA, die aus Rinder- und Schweinehackfleisch bestehen, oder die türkische Variante aus Rind- und Lammfleisch.

Du willst komplett auf Fleisch verzichten? Für die richtige Konsistenz empfehlen wir dir eine Kombination aus gekochten grünen oder braunen Linsen und gehackten Pilzen. Diese Mischung kann mit Haferflocken, Tempeh, Tofu, Quinoa, gekochten Bohnen, Kichererbsen oder auch Blumenkohl verfeinert werden.

Da niemand Appetit auf ein trauriges, trockenes Fleischbällchen hat, solltest du dir diese Tipps zu Herzen nehmen: Schneide alle Zutaten möglichst fein (ungefähr so groß wie eine gekochte Linse). Am einfachsten gelingt dir das mit einer Küchenmaschine, die deine Grundzutaten miteinander vermengt.

Sobald die Grundmasse fertig ist, kommen die Bindemittel ins Spiel. Mit Eiern, veganem Ei-Ersatz, Semmelbröseln, geriebenem Käse, gemahlenen Nüssen, Tomatenmark, Harissa oder Currypaste (weitere Optionen findest du unten im Artikel) hält die Masse beim Garen zusammen.

Der schwierigste Teil der Zubereitung liegt in der perfekten Konsistenz. Die Fleischklößchen sollen zusammenhalten, aber auch nicht zu trocken werden. Fühlt sich die Masse zu bröselig an, kannst du ein weiteres Ei, ein Öl mit Geschmack, geriebene Zwiebel oder einen kleinen Schluck pflanzliche Milch dazugeben.

Beim Formen sollten die Bällchen leicht zusammenhalten, denn wenn sie es schon jetzt nicht tun, werden sie später beim Braten oder Garen auseinanderfallen. Um das zu verhindern, können trockene Bindemittel wahre Wunder wirken.

Und bevor wir es vergessen: Auch aus deinem liebsten vegetarischen oder veganen Burgerpatty-Rezept lassen sich hervorragend Klopse formen!

Die Bindemittel

Die Bindemittel spielen, wie du wahrscheinlich schon gemerkt hast, eine äußerst wichtige Rolle. Dank Eiern, Semmelbröseln, geriebenem oder frischem Käse (z. B. Ricotta oder Feta), gemahlenen Nüssen oder einer Kombination aus diesen Zutaten hält die Hackbällchenmasse beim Braten, Backen oder Kochen zusammen.

Je nachdem, welche Grundzutat, Gewürze und Garmethode du wählst, eignen sich einige Bindemittel besser als andere. Eine stark gewürzte Grundmasse, die anschließend in der Pfanne gebraten wird, freut sich zum Beispiel über eine Extraprise Bindemittel.

Generell kannst du dich an diese Faustregel halten: Behalten die Fleischbällchen beim Rollen und auf einem Teller abgelegt ihre Form, bist du auf der sicheren Seite! Solltest du dir trotzdem unsicher sein, kannst du sie vor dem Garen auch ca. 15 Min. in den Kühlschrank stellen.

Zusätzliche Würzmittel

Beim Würzen von Fleischbällchen sind dir kaum Grenzen gesetzt. Klassische Geschmacksgeber sind gehackte Zwiebeln oder Schalotten, Knoblauch, Ingwer, frische Kräuter, gehacktes Gemüse (z. B. Sellerie oder Karotten), Tomatenmark, getrocknete oder frische Gewürze, Saucen oder andere Flüssigkeiten, z. B. Fischsauce oder Milch und natürlich Salz und Pfeffer, die meiner Meinung nach an jedes Fleischbällchen gehören.

Gehacktes Zitronengras, eingelegte Zitronen, Currypaste oder Harissa, sowie getrocknete Früchte wie Datteln zu Lamm oder Aprikosen zu Schweinefleisch sind ein paar experimentellere Vorschläge, die unser Redaktionsteam liebt.

Wenn dir das doch zu viel ist und du schon nicht mehr genau weißt, wo du anfangen sollst, dann probiere doch erst einmal diese 5 Vorschläge für kleine, leckere Hackbällchen aus. Danach kannst du dich immer noch für einen Favoriten entscheiden und diesen ganz nach deinem Geschmack verfeinern.

Das geheime Fleischbällchen-Verhältnis

Da es nun doch gemein wäre, dich mit einer Zutatenliste ganz ohne Mengenangaben stehen zu lassen, haben wir uns eine Kleinigkeit überlegt (und lassen sie uns patentieren). Wenn du dir dieses Verhältnis einprägst und dich an ein paar zusätzliche Tipps aus diesem Artikel erinnerst, steht deinen Fleischbällchen-Experimenten nichts mehr im Weg.

So formst du Fleischbällchen

Die Grundmasse ist zusammengemixt, hält dank Bindemittel zusammen und wurde ausreichend gewürzt – jetzt kann es mit dem Rollen losgehen. Auch hier gibt es ein paar Tipps, die deine Arbeit erleichtern.

Befeuchte deine Hände, damit die Masse nicht an deinen Fingern kleben bleibt und verwende einen Eisportionierer (das funktioniert wirklich hervorragend!) oder einen Esslöffel, um gleichmäßig große Fleischklößchen zu portionieren. Rolle die Masse zwischen deinen Handflächen zu einem kugelrunden Ball und drücke dabei nicht zu fest zu. Nach dem Formen solltest du die Fleischbällchen möglichst wenig hin und her bewegen. Wir überlassen es dir, ob du lieber walnussgroße oder mandarinengroße Fleischbällchen formst. Je größer sie werden, desto länger brauchen sie jedoch auch beim Garen. Besonders große Klopse lassen sich am besten im Backofen zubereiten, während kleine Varianten sich aufgrund der kurzen Garzeit super als Suppeneinlage eignen.

5 verschiedene Zubereitungsmethoden

Es gibt mindestens 5 verschiedene Methoden Hackbällchen zuzubereiten und jede hat bestimmte Vorzüge: Du kannst sie backen, schmoren, braten, kochen oder dämpfen.

Für eine braune Kruste eignet sich der Backofen oder das Braten in der Pfanne besonders gut, wobei das Backen am wenigsten Chaos und Abwasch verursacht und deswegen auch mein persönlicher Favorit ist. Wenn du eine Soße vorbereitet hast, kannst du die Bällchen am besten direkt darin ziehen lassen. So verbinden sich die Aromen und die Fleischbällchen bleiben schön saftig. Gekocht oder gedämpft sind sie leider nicht unbedingt appetitlich anzusehen, werden so aber definitiv nicht trocken.

Unser Tipp: Erst kochen oder dämpfen und anschließend in der heißen Pfanne goldbraun braten.

Fleischbällchen backen: Backofen auf 200°C vorheizen. Frikadellen auf ein Backblech setzen und ausreichend Platz zwischen ihnen lassen. Je nach Größe ca. 20 - 30 Min. goldbraun backen. Bei Bedarf kannst du sie nach der Hälfte der Backzeit wenden. Wer kein Fleischthermometer besitzt, schneidet ein Fleischbällchen auf und schaut, ob es bereits gar ist. Wer es etwas knuspriger mag, kann zum Ende der Backzeit die Grillfunktion nutzen, das Blech im Backofen etwas weiter nach oben setzen und die Bällchen 3 - 5 Minuten grillen.

Fleischbällchen kochen: Bringe einen Topf mit Wasser zum Sieden (der Moment, kurz bevor das Wasser kocht) und lass die Bällchen mithilfe einer Kelle oder Schöpfkelle langsam in das Wasser gleiten. Mit einem Thermometer oder der "Aufschneidprobe" testest du, ob sie gar sind. Wer sie direkt in der Suppe garen will, sollte ebenfalls darauf achten, dass die Suppe nicht kocht.

Fleischbällchen dämpfen: Verwende zum Dämpfen deinen normalen Dämpfeinsatz oder ein Dampfgargerät und bringe darin etwas Wasser zum Köcheln. Hackbällchen hineinsetzen und ca. 15 Min. dämpfen, oder bis sie gar sind.

Fleischbällchen braten: Zum Braten erhitzt du etwas Pflanzenöl bei mittlerer Hitze in einer Pfanne (gußeiserne Pfannen eignen sich besonders gut) und gibst die Bällchen hinein. Sobald sie eine schöne Kruste auf der Unterseite bekommen, kannst du sie wenden und bei Bedarf die Hitze reduzieren, damit sie nicht verbrennen.

Fleischbällchen schmoren: Zum Schmoren benötigst du eine Sauce deiner Wahl, beispielsweise eine italienische Tomatensauce, ein japanisches Curry oder eine würzige Barbecue Sauce. Sobald deine Sauce erwärmt ist und leise vor sich hin köchelt, kannst du die rohen Fleischklößchen in die Sauce geben. Dabei ist es besonders wichtig, dass sie rundherum mit Sauce bedeckt sind. Anschließend die Hitze reduzieren und den Topf abdecken. Nach ca. 30 Min. kannst du testen, ob sie gar sind. Sollte die Sauce dick werden, helfen etwas Brühe oder Wasser.

Fleischbällchen einfrieren und auftauen

Ich hoffe, wir konnten dich bereits von der wunderbaren Welt der Fleischbällchen überzeugen — wenn nicht, haben wir noch ein Ass im Ärmel: Übrig gebliebene Albondigas, Polpette oder Königberger Klopse können eingefroren und ganz einfach wieder aufgetaut werden. Besonders an hektischen Tagen unter der Woche stellen sich die wenigstens von uns in die Küche und haben Lust, die kleinen runden Bällchen frisch zu rollen. Auch wenn sich Gäste spontan ankündigen oder dein Kühlschrank leer ist, sind gefrorene Fleischbällchen die Rettung! Bereite daher am besten immer eine große Portion vor, und friere die Reste für später ein.

Noch einfacher als rohe Fleischbällchen einzufrieren, ist es, sie bereits im gekochten Zustand im Tiefkühlfach zu verstauen und anschließend nur noch aufzuwärmen. Dazu sollten sie komplett ausgekühlt sein und in einem luftdichten Behälter oder verschließbaren Beutel aufbewahrt werden. Ab besten beschriftest du die Behälter mit dem Herstellungsdatum und verstaust sie dann im Tiefkühlfach.

Für die einfachere Handhabung kannst du sie zunächst 3 - 4 Std. auf einem Backblech fest werden lassen und dann separat in einem Behälter verstauen. So lassen sie sich auch einzeln herausnehmen!

Zum Aufwärmen der Hackfleischbällchen werden sie auf ein Backblech gesetzt und mit Aluminiumfolie bedeckt. Bei 150°C im Backofen sind die nach ca. 30 Min. komplett aufgetaut und fertig zum Servieren. Auch in Suppen oder Brühe tauen die Bällchen super auf. Wenn du sie direkt in Tomatensauce einfrierst, bringst du die Flüssigkeit einfach zusammen mit den Fleischbällchen zum Köcheln.

Was sind deine liebsten Fleischbällchen? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

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