Ist Gluten von Natur aus schlecht für uns?

Nadine

Kontributorin

Jeden Monat nehmen wir bei Kitchen Stories einen Essens-Mythos genau unter die Lupe, um herauszufinden, was daran wahr oder falsch ist. Hast du auch ein Thema rund um Essen, das dir nicht mehr aus dem Kopf geht und dessen Geheimnis wir für dich lüften sollen? Dann schreib uns einen Kommentar unter diesem Artikel!

Seid ihr auch schon Anhänger der neuen Wunderdiät „GF“ aus den USA? Fettarme und eiweißreiche Diäten waren gestern! Wer was auf sich hält, ernährt sich glutenfrei.

Ist glutenfreie Ernährung eine Erfindung der Lebensmittelindustrie oder steckt wirklich etwas Sinnvolles hinter dem Verzicht auf Gluten? Ist Gluten gar schlecht für unseren Körper? Finden wir es heraus!

Was ist Gluten überhaupt?

Gluten oder auch Klebereiweiß übernimmt im Samenkorn von keimenden Getreidepflänzchen eine wichtige Speicherfunktion. Es ist ein komplexes, aber bis heute noch nicht komplett erforschtes Proteingemisch, das der heranwachsenden Pflanze wichtige Aminosäuren und Eiweiße liefert, die es zum Wachstum braucht.

Gluten ist nicht nur im Weizen, sondern auch in Dinkel, Gerste und Roggen enthalten. Essentiell ist Gluten in der Herstellung von Backwaren, da es den Teig elastisch macht und damit für luftiges, leichtes Gebäck auf unserem Frühstückstisch sorgt. Wir finden Gluten aber auch als Verdickungsmittel, Geliermittel und Stabilisator in vielen anderen Produkten im Supermarktregal.

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Ist Gluten für jeden Menschen automatisch schlecht?

Der Verzicht auf Gluten macht uns angeblich schlanker, fitter und schenkt uns mehr Energie. Glutenfreie Lebensmittel sind zu einem Milliardengeschäft geworden und jeden Monat kommen neue Produkte hinzu. In den USA stand das Buch „Wheat Belly“ (zu Deutsch „Weizenwampe“) monatelang in der Bestellerliste. Es prangert das Gluten als Geißel der Menschheit an und der Autor William Davis schreibt dem Gluten nicht nur Fettleibigkeit und Diabetis, sondern auch Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu Getreide mache uns ähnlich süchtig wie Zigaretten und Drogen, so sein Vorwurf.

Aber woher kommen diese Behauptungen?

Weizenmehl enthält Gluten und besteht vor allem aus Stärke. Sie besteht aus langen Glukoseketten, die im menschlichen Körper in einzelne Zuckermoleküle zerlegt werden. Dieser Zucker lässt unseren Blutzucker ansteigen und versorgt uns mit Energie. Nach dieser Energie giert unser Gehirn, denn es erhöht unsere Denkleistung, fördert aber leider auch unsere Fettpolster.

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Gluten ist darüber hinaus Verursacher der Zöliakie, die bei betroffenen Menschen eine chronische Entzündung des Dünndarms verursacht. Glutenunverträglichkeit geht häufig mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Gewichtsverlust, Durchfall und Blutarmut einher. Das macht es so schwer die Krankheit zu diagnostizieren und führt in vielen Fällen zu voreiligen Falschdiagnosen. Denn auch bei häufiger auftretenden Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom klagen Patienten über diese und ähnliche Symptome.

Wird eine Zöliakie diagnostiziert, hilft nur der lebenslange Verzicht auf alle glutenhaltigen Lebensmittel. In Deutschland leiden ca. 800.000 Menschen (0,1 – 1% der Bevölkerung Deutschlands) an der Autoimmunerkrankung. Die Wahrscheinlichkeit zu den Betroffenen zu gehören ist also äußerst gering.

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Solltest du dennoch unter den beschriebenen Symptomen leiden, ist eine Glutensensibilät nicht unwahrscheinlich. Forscher führen das auf den vermehrten Einsatz von Gluten in der Lebensmittelherstellung zurück. Das Weizenprotein ist in vielen Light-Produkten wie Quark oder Joghurt, aber auch in dem bei Vegetariern und Veganern so beliebten Fleischersatz Seitan. Wir nehmen also mehr Gluten mit unserer täglichen Ernährung zu uns als noch unsere Großeltern. Unser Körper kann sich so schnell allerdings nicht an diese erhöhte Zufuhr anpassen und reagiert bei sensiblen Menschen mit Bauchgrummeln und Durchfall.

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Das Urteil

Gluten ist nicht von Natur aus schlecht für uns, denn es ist in Getreideprodukten ein wichtiger Energielieferant für unseren Körper. Leidest du aber nachgewiesen an einer Unverträglichkeit oder Überempfindlichkeit kann ein Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel deine Lebensqualität tatsächlich deutlich verbessern.

Bist du davon nicht betroffen, macht ein strikter Verzicht nur wenig Sinn. Achte auf eine ausgewogene Ernährung und greif hin und wieder zu Vollkornprodukten statt zu Weißmehlprodukten, denn diese enthalten mehr Ballaststoffe und sättigen länger.

Auf das Stück Bienenstich bei Oma am nächsten Sonntag brauchst du also nicht zu verzichten.

Leidest du auch an Glutenunverträglichkeit oder verzichtest aus anderen Gründen auf Gluten? Oder hältst du den glutenfreien Trend für Unsinn? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare!