Mary-Linh

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Redaktionsassistent bei Kitchen Stories

Ob Tapas-Experte oder Neuling — die Wahrscheinlichkeit, dass du schonmal etwas Ähnliches gegessen hast ist relativ hoch. Denn nicht selten wird dir in verschiedenen Ländern abends zu einem Getränk etwas Kleines zum Essen gereicht. In Korea bekommst du zum Beispiel anju in Form vonwürzig marinierten Chicken Wings, in peruanischen Bars üppig gefüllte Schüsseln mit maiz chulpe (geröstete Maiskörner). Dennoch gibt es ein schlagendes Argument dafür, dass spanische Tapas von anderen kleinen internationalen Köstlichkeiten unterscheidet: Es geht um mehr als nur einen Tisch, der mit leckeren kleinen Gerichten gedeckt ist. Es sind viel mehr die klappernden kleinen Teller und flinken Finger, die den Tresen der unzähligen Restaurants füllen, das Geplapper und Lachen der Leute, dass durch die Gassen schallt, und die salzige Meeresbrise, die die Hitze zum Abend hin erträglich und das alles zusammen zum gemeinschaftlichen Ereignis unter Freunden macht — das ist die spanische Lebensart!

Derzeit knacken wir beinahe täglich die 30-Grad-Marke. Wer kann da schon einer abendlichen Tapas-Party wiederstehen? Die meisten der folgenden Rezepte hast du in unter 30 Minuten zubereitet. Da sie bei Raumtemperatur besonders gut schmecken, kommst du beim Kochen nicht ins Schwitzen und kannst einige Tapas bereits einen Tag zuvor zubereiten.

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Was macht Tapas so besonders?

Tapas werden in Bars und Restaurants auf kleinen Tellern serviert und typischerweise vor dem Mittag- oder Abendessen genossen. Da das Abendessen nicht selten zwischen 21 Uhr und Mitternacht stattfindet, passiert es häufig, dass man nach der Arbeit und vor dem Abendessen von Bar zu Bar schlendert und den Abend mit Tapas und einem Glas Wein einläutet. Dabei sind sie bitte nicht mit Vorspeisen oder horsd’œuvre zu verwechseln. Klassische Tapaszutaten sind zum Beispiel Kartoffeln, Sardinen und frisch aufgeschnittener Schinken.

Das Wort selbst leitet sich von dem spanischen Verb tapar ab, was soviel heißt wie: abdecken. Zur Entstehungsgeschichte der Tapas gibt es verschiedene Theorien. Manche sind davon überzeugt, dass Tapas ursprünglich dünne Scheiben Brot oder Schinken waren, die auf ein Glas gelegt, Fliegen vor dem Versinken im Drink bewahren sollten. Andere sind der Meinung, König Alfons XIII. von Spanien erfand Tapas, weil er während einer Erkrankung nur kleine Häppchen zu seinem Wein zu sich nehmen konnte. Allerdings war er davon auch nach seiner Genesung noch ein Fan und orderte das Servieren von Tapas im ganzen Land an. Welche Theorie dir letztendlich am glaubwürdigsten erscheint, entscheidest du — doch eins ist ganz sicher: Tapas haben sich über die Jahrzehnte zu einem weltweit bekannten Essritual mit vielen regionalen Unterschieden und Variationen entwickelt.

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Die Auswahl reicht von frittierter Aubergine in süßlicher Marinade zu leuchtend grünen Oliven. Tapas gibt es in warm oder kalt und die regionalen Tapas unterscheiden sich je nach Klima und kulinarischen Eigenheiten deutlich voneinander. In Galicien im Nord-Westen Spaniens zählen pulpo a feira (gekochter Oktopus in Olivenöl und Paprika) und pimientos de padrón zu den lokalen Favoriten, wohingegen im Süden des Landes in Andalusien pescaito frito (frittierter Fisch) und espetos (gegrillte Sardinen) beliebt sind. Da Tapas ursprünglich aus Andalusien kommen, findet man dort noch viele traditionelle Tapasbars, die die Köstlichkeiten zusammen mit einem Drink servieren.

Auch wenn es nicht wirklich Regeln dafür gibt, was ein Tapa ist und was nicht, gibt es vielleicht ein paar Zutaten, die immer wieder den Weg in Tapasrezepte finden: Knoblauch, Paprikapulver, Petersilie und Olivenöl.

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So gelingen dir Tapas auch Zuhause

Nachdem wir nun die Hintergründe zum allseits beliebten spanischen Fingerfood kennen, präsentieren wir dir nun 12 unwiderstehliche Rezepte für deine nächste Tapas-Party.

Tortilla

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Bitte verwechsle die spanische Tortilla nicht mit der mexikanischen Version. Ja, sie sind beide rund und hören auf den selben Namen, aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Die, die wir meinen, ähnelt vielmehr einem Omelett oder einer Frittata. Die Zutaten sind simpel: mit Olivenöl bestrichene Kartoffelscheiben und karamellisierte Zwiebeln, die durch eine ordentliche Menge an Eiern zusammengehalten werden. Die Kartoffeltortilla steht gerne alleine im Rampenlicht, kann aber durch ihre einfachen Zutaten durch Gemüse, frische Kräuter, Speckstücke oder Chorizo wunderbar ergänzt werden. An dieser Stelle sind dir kaum Grenzen gesetzt.

Einfache Kartoffeltortilla mit Zwiebeln

Einfache Kartoffeltortilla mit Zwiebeln

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Pan con tomate

Pan con tomate (oder pa amb tomàquet auf katalanisch) ist ein simples und doch so gutes Gericht, für das kein Herd nötig ist. Die Zutatenliste besteht aus genau 5 Lebensmitteln: Weißbrot, Tomaten, Knoblauch, Olivenöl und Meersalzflocken. Ohne viel Aufwand und Zeit pürierst du die Zutaten in einem Mixer und verteilst es großzügig auf dem Brot. Fertig ist das Katalanische Tomaten-Knoblauch-Brot. Sättigend, fruchtig und perfekt für laue Sommerabende oder ein spätes Frühstück, sind sie schneller weg als du Tapas sagen kannst.

Katalanisches Tomaten-Knoblauch-Brot

Katalanisches Tomaten-Knoblauch-Brot

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Ensaladilla rusa

Seinen Namen verdankt der russische Salat dem belgischen Koch Lucien Olivier, der dieses Rezept im 20. Jahrhundert in Moskau entwickelt hat. Die angepasste, spanische Version beinhaltet Kartoffeln, Thunfisch, Erbsen, Karotten und – nicht zu vergessen – Mayonnaise! Im Süden Spaniens findet man ab und zu Varianten mit zusätzlichen Oliven, Garnelen und gekochten Eier. Der cremige Liebling vereint schlussendlich alle Zutaten miteinander und macht diesen Salat zu einem deftigen Tapa. Für dieses Rezept habe wir ebenfalls etwas eingelegten Hering und einen Klecks Senf in die hausgemachte Mayonnaise gegeben, um den würzigen Geschmack zu intensivieren.

Russischer Salat

Russischer Salat

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Gambas al Ajillo

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Gambas al ajillo (Knoblauchgarnelen) sind die wahren Helden unter den Tapas. Verständlich, wenn man sich die kleinen Meeresfrüchte in einem feurigen Olivenölbad vorstellt, das mit Knoblauch und einem Spritzer Weißwein abgerundet wird. Das Rezept gehört unbedingt in deine "Ich koche uns mal eben etwas Schnelles"-Sammlung oder wenn plötzlich Gäste vor der Tür stehen, denn in weniger als 20 Minuten steht diese Tapa auf dem Tisch. Achte dabei unbedingt darauf, dass du die Garnelen nicht zu lange brätst, damit sie nicht trocken werden!

Spanische Knoblauch-Garnelen

Spanische Knoblauch-Garnelen

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Croqueta

Nicht nur in Spanien ist alles, was paniert, frittiert und mit Schinken, Fisch, Hähnchen oder Gemüse gefüllt ist, beliebt. Allerdings verpassen die Spanier den knusprigen croquetas (Kroketten) ein leckeres Bechamelsaucen-Bad und zählen sie zu ihren Nationallieblingen. Probiere dich doch mal für den Anfang an diesen Linsen-Bratlingen mit Koriander-Limetten-Salat:

Linsen-Bratlinge mit Koriander-Limetten-Salat

Linsen-Bratlinge mit Koriander-Limetten-Salat

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Gazpacho

Warst du schon mal in Andalusien? Wenn ja, dann kennst du auch die unglaublich heißen Sommer und das kann nur eines bedeuten: viele Liter eiskalte Gazpacho aka kalte Suppe, die hauptsächlich aus püriertem rohen Gemüse besteht. Dieser Klassiker wird aus frischen Paprikaschoten hergestellt und verpasst dir eine wohlverdiente Abkühlung bei wenig Appetit und spanischen Temperaturen.

Sowie bei vielen der hier genannten Rezepte, variieren die Zutaten je nach Saison und Region. Mit einem Ei oder einer Scheibe Schinken folgst du dem Vorbild aus Córdoba, mit einer etwas stückigeren Konsistenz bereitest du sie wie in Ávila üblich zu.

Gazpacho mit gegrillter roter Paprika

Gazpacho mit gegrillter roter Paprika

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Pimientos de Padrón

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Bratparika erreichten das spanische Festland mithilfe der Franziskanermönche, die die kleinen grünen Paprika aus Südamerika mitbrachten. Heutzutage gehören sie zu den Tapas-Klassikern und dürfen in ganz Spanien nicht auf dem Buffet fehlen. Auch für dieses Gericht benötigst du nicht länger als 15 Minuten. Sobald die Paprikahaut kleine Bläschen schlägt und schrumpelig wird, werden sie mit groben Meersalz gewürzt und anschließend serviert. Die meisten Sorten schmecken mild und erinnern an den leicht bitteren Geschmack von großen, grünen Paprikas. Man sagt allerdings, 1 von 10 Bratpaprika ist leicht scharf — also Vorsicht!

Pimientos de Padrón mit Knoblauch-Dip

Pimientos de Padrón mit Knoblauch-Dip

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Calamares

Gibt es etwas, dass mehr nach Meer ruft als gebratener Tintenfisch? Wir glauben nicht! Für gewöhnlich wird er in einem knusprigen Teig ausgebacken, heiß frittiert und mit einem Spritzer Zitrone beträufelt. Für unser Rezept haben wir uns für Spieße entschieden, die in der Pfanne oder auf dem Grill gebraten werden.

Calamari-Spieße

Calamari-Spieße

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Aioli

Aioli (alioli auf katalanisch) ist diese unwiderstehliche katalanische Knoblauchcreme, die zu sehr vielen Gerichten in Spanien gereicht wird. Solltest du ein Fan von Mayonnaise und anderen gehaltvollen Dips sein, dann wirst du aioli lieben. Zartschmelzend und buttrig gelb kann kaum einer ihrem Genuss entgehen und sie eignet sich hervorragend zum Dippen & Bestreichen. Aioli passt zu pochiertem Fisch, gegrilltem Fleisch, Ofengemüse oder einfach nur zu Brot — also eigentlich zu Allem!

Für die traditionelle Art und Weise der Zubereitung werden Knoblauchzehen mit Salz und Olivenöl zu einer Paste zermahlen. Das kann einige Zeit und Kraft in Anspruch nehmen — deshalb haben wir ein etwas schnelleres Rezept kreiert, bei dem die Eier den Job erledigen:

Hausgemachte Aioli

Hausgemachte Aioli

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Patatas bravas

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Patatas bravas (frittierte Kartoffeln) gehören ohne Wenn und Aber zu Madrid und sind das spanische Pendant zu amerikanischen Pommes Frites und britischen Chips. Kartoffeln werden in grobe Stücke geschnitten und dann in Olivenöl und Knoblauch knusprig angebraten oder frittiert. Je nachdem wo du dich in Spanien aufhältst, werden sie dir mit einem Tomaten-Paprika-Dip oder aioli serviert. Und auch hier gilt: Hab keine Angst das Gericht um einige Komponenten zu ergänzen, zum Beispiel Chorizo oder gezupftes Hähnchen.

Spanische Backkartoffeln mit Salsa Brava

Spanische Backkartoffeln mit Salsa Brava

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Pinchos

Sowohl im Baskenland als auch in anderen Teilen Nordspanien sind pinchos or pintxos bekannter als Tapas. Abgeleitet vom spanischen Verb pinchar (einstechen) sind pinchos Zutaten, die sich gut aufspießen lassen. Ähnlich wie Tapas können die Portionsgrößen variieren (media ración oder ración anstatt Tapas) und mit anderen geteilt werden. Der Pincho an sich wird aber alleine gegessen. Da man sich einzig und allein an eine Regel halten sollte, nämlich dass sich alle Zutaten gut aufspießen lassen, gibt es so gut wie unendliche viele spannende Geschmackskombinationen, mit denen man experimentieren kann. Wir haben uns diesmal für eine Surf 'n' Turf-Variante entschieden, die unseren Appetit auf Fleisch und Meeresfrüchte gleichzeitig stillt. Wer lieber etwas mehr Gemüse möchte, kann eines der beiden ganz einfach austauschen. Trau dich ruhig mit vielen verschiedenen Zutaten zu experimentieren und viele farbenfrohe pinchos zu kreieren!

Surf 'n' Turf Spieße

Surf 'n' Turf Spieße

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Empanada

Ich glaube, fast jeder kennt sie. Die goldbraun gebackenen, manchmal frittierten, halbrunden Teigtaschen aus Südamerika. Fairerweise muss man sagen, dass Empanadas ursprünglich aus dem spanischen Galicien stammen, wo sie mit Zwiebeln, grüner Paprika, Knoblauch und Hähnchen oder Kabeljau gefüllt werden. Als die Spanier in Südamerika eintrafen, hat sich die Zubereitungsform erweitert, so dass neue Füllungen mit Käse, Gemüse und sogar Obst dazu gekommen sind.

Inspiriert von der lateinamerikanischen Variante, sind unsere Empanadas nicht nur unglaublich lecker, auch die Zubereitung macht Spaß!

Empanadas

Empanadas

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