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Julia Stephan

Senior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

Als ich klein war, gab es in meiner Familie jeden Sonntagabend (und mehrmals unter der Woche) eine Brotzeit, oder wie es bei uns in Sachsen liebevoll genannt wird: “Bemme mit Brot”. Vielleicht kennst du es auch unter den Begriffen Jause oder Vesper. Dann wurde der Kühlschrank nach diversen Wurst- und Käsesorten und Aufstrichen durchsucht, mehrere Brote aufgeschnitten und abends einfach kalt gegessen. An faulen Tagen blieb alles direkt bequem in der Verpackung, während an manchen Abenden liebevoll Brotzeitplatten arrangiert wurden.

Als Kind habe ich es irgendwann förmlich gehasst, denn natürlich wollte ich viel lieber ein aufregendes warmes Abendessen. Nachdem ich bei meinen Eltern auszog, landete die Brotzeit in der Erinnerungskiste und wurde dort als “Kindheitsessen” abgespeichert. Doch vor wenigen Jahren blühte die kalte Abendessen-Tradition wieder auf und mittlerweile zelebriere ich die Brotzeit förmlich. Mit ein bisschen Zeit und Mühe kreiert man wunderschöne Brotzeitplatten, die eine Hommage an verstaubte Kindheitserinnerungen sind. Hier sind 7 klassische und neue Ideen, die auch dich (wieder) zum Brotzeit-Fan machen.

Brotzeit – das Abendessen der Deutschen?

Allein der Fakt, dass wir in Deutschland zum Abendessen oft “Abendbrot” sagen, zeigt schon, wie sehr wir die kalte Mahlzeit lieben. Eine tolle Annäherung an das Thema ist dieser Beitrag aus der ARTE-Sendung “Karambolage”: in vielen anderen Ländern, zum Beispiel Frankreich, kann man sich nämlich gar nicht vorstellen, dass wir abends nicht immer warm essen. Das liegt zum einen daran, dass wir schlicht so viele fantastische Brotsorten haben, die Tradition des Abendbrots beginnt aber schon viel früher.

Zum einen gab es Arbeiter*innen, die körperlich anstrengenden Arbeiten nachgingen und daher regelmäßig schnelle, einfache, aber sättigende Snacks brauchten. Sie aßen bis zu sechsmal am Tag, um genug Energie zu haben. Zwischen den warmen Mahlzeiten wurde immer eine kalte gegessen – eine Brotzeit eben. Zum anderen entwickelten sich in den 1920er Jahren Industriezentren in Deutschland, die ihren Mitarbeiter*innen mittags in der Kantine warmes Essen servierten. Zum Abend konnte es daher zu Hause auch etwas kaltes sein.

Und auch das kenne ich aus meiner Kindheit: Noch während des Abendbrots schmierten sich meine Schwester und ich die Schnitten für den nächsten Schultag, die dann in Brotdose oder -tüten gepackt wurden. Die ein oder andere Lunchbox mit belegten Broten sehe ich auch heute noch bei uns in der Mittagspause bei Kitchen Stories.

Wir sehen also, das kalte Abendbrot ist fest verankert in der deutschen Esskultur. Und mehr noch, einige regionale Küchen haben sogar ihre eigene spezielle Brotzeit entwickelt. Bei den folgenden 7 Ideen ist mit Sicherheit auch eine für deinen Geschmack dabei. Natürlich sind unsere Zutatenlisten dafür nicht vollständig, sondern zeigen eine Auswahl an Möglichkeiten. Verrate uns gern in den Kommentaren, was bei deiner Brotzeit nicht fehlen darf.

Bayrische Brotzeit

Die wohl bekannteste regionale Brotzeit kommt aus Bayern. Die “zünftige” Variante besteht neben viel Fleisch, ein bisschen Käse und ein paar frischen Zutaten gern auch aus Bier. Sie wird zwar oft als Zwischenmahlzeit gesehen, wird aber im Prinzip zu jeder Tageszeit gegessen. Wer doch mehr als “nur” kalte Zutaten essen möchte, kann die bayrische Brotzeit auch mit Leberkäse oder Weißwurst erweitern.

Was auf den Tisch kommt:
- Laugengebäck und/oder Kaisersemmeln
- Bauernbrot (z. B. Roggen-Sauerteigbrot, am besten sogar mit Kümmel)
- Butter- Wurstsalat
- kalter Schweinsbraten mit Meerrettich-Dip
- Leberwurst
- geräucherte Bratwurst
- Obatzda
- Griebenschmalz
- Senf
- Radieschen, Salat, Gurken, Tomaten
- Schnittlauch, Petersilie

Fränkische Brotzeit

Achtung, jetzt wird’s fleischlastig. Zwar gibt es keine ultimative Checkliste für einen fränkischen Brotzeitteller, aber hausgemachte Wurstaufschnitte dürfen neben regionalen Spezialitäten definitiv nicht fehlen. In Franken isst man sie besonders gern in Anlehnung an die Tradition des Arbeiter*innen-Essens zwischen den Mahlzeiten, also z. B. um 11 Uhr oder zwischen einem gemütlichen Kaffeekranz am Nachmittag und dem Abendbrot.

Was auf den Tisch kommt:
- Sauerteigbrot/Landbrot, z. B. fränkisches Bauernbrot
- Butter
- kalter Schweinebraten
- Göttinger Bierwurst mit Senf
- geräucherter Schinken
- Bauernsülze
- Leberwurst
- Mettwurst
- “Stadtwurst mit Musik”
- gerupfter Obatzda
- fränkischer Zwiebelkäse
- Essiggurken, Radieschen, rohe Zwiebeln

Käse-Brotzeit

Alle Käseliebhaber*innen können sich mit einer vegetarischen Brotzeit selbst ein Geschenk machen (wobei du beachten solltest, dass nicht jeder Käse vegetarisch ist). Egal, mit welcher Auswahl du deine Platte bestückst, alle Käsesorten freuen sich über fruchtige, knusprige und cremige Beilagen wie Weintrauben, Trockenfrüchte, Nüsse und selbstverständlich eine Auswahl unseres Star des Abendessens: Brot. Tipps zum Anrichten, Vorschläge für die Käseauswahl und sogar Ideen für länderspezifische Käseplatten findest du in diesem Artikel.

Was auf den Tisch kommt:
- diverse Brotsorten nach Geschmack
- Weichkäse, z. B. Reblochon und Camembert
- Hartkäse. z B. Pecorino und Comté
- Schnittkäse, z. B. Gouda und Edamer
- Blauschimmelkäse
- Frischkäse
- Butter
- Radieschen, Tomaten, Gurken, Weintrauben
- eingelegtes Gemüse, z. B. Gewürzgurken
- Nüsse
- süßes Chutney oder Marmelade

Vegane Brotzeit

Du fragst dich, was bleibt, wenn Käse, Wurst und Butter vom Brotzeitbrett gekickt werden? Vielleicht keine traditionelle Brotzeit, aber noch immer eine äußerst üppige. Als Veganerin ist diese Variante natürlich mein Liebling und wird von Mal zu Mal mit neuen Kreationen erweitert. Als Grundlage ist eine große Auswahl an diversen Brotsorten das bequeme Bett für allerlei Aufstriche und frisches Gemüse. Als kleines Special dürfen eingelegte Zwiebeln bei mir nicht fehlen. Neue Kreationen wie Cashew-Camembert und Karotten-Lachs, die es im Biomarkt gibt, machen diese Brotzeit zu einem beeindruckendem Abendessen, auch für alle Nicht-Veganer*innen.

Was auf den Tisch kommt:
- diverse Brotsorten nach Geschmack
- diverse Aufstriche
- eingelegtes Gemüse, z. B. eingelegte Zwiebeln, Gewürzgurken oder rote Bete
- Salat, Radieschen, Möhren, Gurke, Tomaten
- Schnittlauch, Kresse
- Specials, z. B. Cashew-Camembert und Karotten-Lachs

Antipasti – Die italienische Brotzeit

Wie man eine Antipasti-Platte zubereitet, hat dir unsere Redakteurin Lisa bereits in diesem Artikel aufgeschrieben. Keine Scheu, die kannst du nicht nur klassisch als Vorspeise oder kleine Option zu einem Weinabend servieren, sondern üppig als Abendbrot genießen, vor allem bei sommerlichen Temperaturen. Zu dieser Auswahl an Fleisch, Käse und Aufstrichen passen besonders weiches Baguette, Ciabatta und Sauerteigbrot, aber auch knusprige Cracker und Grissini.

Was auf den Tisch kommt:
- Ciabatta oder Sauerteigbrot
- Cracker oder Grissini
- Parmaschinken
- italienische Salami
- italienischer Frischkäse, z. B. Büffelmozzarella oder Burrata
- italienischer Weichkäse, z. B. Scamorza
- italienischer Hartkäse, z. B. Parmesan und Grana Padano
- Pesto deiner Wahl
- gegrillte Artischocken oder Grillgemüse
- getrocknete oder frische Früchte, z. B. Feigen, Aprikosen, Tomaten
- Oliven
- Pistazien

Smørrebrød – Die schwedische Brotzeit

Im Norden Europas kennt man die Brotzeit ebenfalls – nur wird sie hier vor allem zum Mittagessen serviert. Smørrebrød ist ein vielseitig belegtes Butterbrot, das du natürlich zu einer Brotzeitplatte “dekonstruieren” kannst. So kann sich jeder seinen Lieblingsbelag wählen, ob mit Fisch, vegetarisch oder vegan. Klassische Smørrebrød-Toppings sind zum Beispiel geräucherter Hering, Krabben, Kaviar, Pasteten, gekochte Eier, frisches oder eingemachtes Gemüse.

Was auf den Tisch kommt:
- dunkles Roggenbrot
- Knäckebrot
- kalter Truthahn-Aufschnitt
- geräucherter Lachs
- eingelegter Hering
- Garnelen
- Kaviar
- gekochte Eier
- Kapern
- Joghurt-Dill-Dip
- Gurke, Radieschen, Karotten, Chicoree, Tomaten, Dill

Mezze-Platte

Eigentlich bezeichnet man mit Mezze kein spezielles Gericht, sondern das Servieren diverser Vorspeisen der Küchen des nahen Ostens. Sie landen auf kleinen Tellern in der Mitte des Tisches und werden dann von allen Gästen geteilt. Die perfekte Brotzeit also! Für diese Option haben wir eine Auswahl an Vorspeisen der arabischen und türkischen Küche kombiniert, die mit dünnen oder dickerem Fladenbrot serviert werden. Wer noch etwas warmes draufpacken möchte, kann Falafel zubereiten.

Was auf den Tisch kommt:
- Fladenbrot
- Hummus
- Baba Ghanoush
- Muhammara
- Taboulé
- Fattoush
- gefüllte Weinblätter
- Joghurt-Dip
- frische Zwiebel, Minze, Tomate, Gurke
- eingelegter Rettich

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