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Lisa-Kristin Erdt

Junior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

Ich bin ein großer Fan davon, meinem Geschmackssinn künstlerische Freiheit zu gewähren und mich beim Würzen meiner Speisen auszutoben. Eine Prise hiervon und ein bisschen davon ist nicht ohne Grund ein großer Bestandteil des Kochens, denn Gewürze gehören an jedes Gericht so wie gutes Dessert in einen gesättigten Magen.

Aber so sehr ich die Kunst des Kochens auch schätze: Manchmal darf es einfach einfach sein. Besonders nach einem anstrengenden Tag, ist es beruhigend zu wissen, dass im Vorratsschrank ein Gewürzglas bereitsteht, in dem die Aromen bereits in perfektem Verhältnis zusammengemischt sind.

Heute führt uns die Vorliebe für diese kleinen Lebensretter in der Küche zusammen. Wir klären dich darüber auf, warum Instant-Gewürze auf keinen Fall in deinem Vorratsschrank fehlen dürfen, zeigen dir, welche Mixturen rund um die Welt eingesetzt werden und außerdem, welche 5 hausgemachten Fertigmischungen dich wenig Aufwand bei der Zubereitung kosten, dir beim Kochen aber eine Menge Zeit ersparen.

Warum Gewürzmischungen dein Leben erleichtern

Ein tiefer Atemzug mit der Nase über einem prall gefüllten Gewürzglas hat etwas Erfüllendes. Das Wechselbad deiner Geruchsnerven, die sich nicht zwischen bittersüß, blumig und fruchtig entscheiden können, wird abgerundet durch ein wohliges Gefühl, das höchstwahrscheinlich direkt von deinem Magen ans Gehirn gesendet wird.

Gewürzmischungen sind aber nicht nur wohltuend für Nase und Magen, sondern ersparen dir auch einige Handgriffe bei der Essenszubereitung. Denn in der Kürze liegt die Würze! Wer auch immer das mal sagte, hatte recht.

Mit nur einem Griff ins Gewürzregal schon alles parat zu haben, was du an würzigen Geschmackskomponenten benötigst, ist für den schnellen Koch unverzichtbar. Das Fantastische an Fertiggemischen ist, dass du eigentlich nur einmal Zeit investieren musst, um alles zusammen zu mixen – und dich danach einfach an einer Prise davon bedienen kannst, um dein Gericht geschmacklich abzurunden

Ein weiterer Vorteil: Das Verhältnis der Elemente bestimmst du im Vorhinein. Das bedeutet, beim Kochen ist dein Gewürz bereits perfekt ausbalanciert und muss keinen langwierigen Geschmackstests mehr unterzogen werden.

So mixt du deine perfekte Gewürzmischung

Wenn es geht, besorge dir für die Zubereitung Zutaten wie Piment oder Sternanis als Ganzes und nicht schon vorgemahlen, da du so das volle Aroma beibehältst. Der größte Arbeitsaufwand besteht dann nur noch darin, alles mit Mörser und Pistill zu zerkleinern, zu vermischen und in ein luftdicht verschlossenes Glas zu geben – das war’s dann aber auch schon.

Taste dich einfach nach deinen Belieben an das richtige Mischverhältnis heran. Verwende für Gewürze mit intensiven Aromen wie Chiliflocken, Knoblauch-, Zwiebel- oder Ingwerpulver erstmal nur eine geringe Menge. Meist betrifft das Mischungen aus der indischen, orientalischen, asiatischen oder mexikanischen Küche, da dort von Haus aus pikanter gekocht wird, als hierzulande.

Deshalb: erstmal langsam, denn nachwürzen geht immer. Hast du das ideale Mischverhältnis herausgefunden, schreibe es dir am besten gleich auf das Etikett deines Gewürzglases.

Milde Speisen wie Gebäck, Dips oder Bowls vertragen in der Regel mehr zusätzliche Aromen. Greife hierfür beherzter zu, aber vergiss dennoch das Abschmecken nicht. Am Ende erhältst du so deine ultimative, ganz individuelle Instant-Mischung. 

Gewürzmischungen aus aller Welt

In Deutschland lieben wir es deftig, aber von Hause aus sind unsere Gerichte weniger gewürzt. Verglichen mit Speisen aus anderen Esskulturen, die teilweise nicht ohne mindestens zehn verschiedene Gewürze pro Gericht auskommen, sind es bei uns meist nur eine Handvoll.

Manchmal rückt die traditionelle deutsche Küche deshalb aus dem Fokus – ihren Platz nehmen Spezialitäten aus aller Welt ein. Um es dir bei der Vielzahl an Gewürzen leichter zu machen, hier ein kleiner Guide für Gewürzmischungen aus der Ferne:

Garam Masala

In vielen Regionen Indiens kocht man scharf, sehr scharf! Das ist auch in anderen warmen Ländern nicht unüblich, denn entgegen der westlichen Intuition kann scharfes Essen unseren Körper abkühlen. Sehr bekannt ist die Gewürzmischung Garam Masala – eine der wenigen Fertigmischungen, die auf dem gesamten indischen Subkontinent verwendet wird und sich super für Curries, Reisgerichte und Fleischmarinaden eignet. Bestandteile sind unter anderem Zimt, Nelken und Kardamom. Ein einheitliches Rezept gibt es allerdings nicht und ist absolute Familiensache. Eine Variante findest du dennoch auf unserer Website:

Hausgemachte Garam-Masala-Gewürzmischung

Hausgemachte Garam-Masala-Gewürzmischung

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Chai-Gewürz

Ein Heißgetränk hinterher? Wie wäre es mit Masala Chai, einem gewürzten Tee auf Schwarztee-Basis mit Milch und Zucker. Übersetzt heißt Masala “Gewürz”, was auch erklärt, warum die Spezialität hier etwas zu suchen hat, denn sie schmeckt nicht nur in dem namensgebenden Getränk, sondern auch in Gebäck und herzhaften Gerichten.

Hausgemachte Chai-Gewürzmischung

Hausgemachte Chai-Gewürzmischung

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Fünf-Gewürze-Pulver

Asiatische Gewürzmischungen variieren natürlich je nach Land. Dennoch gibt es einige Gewürze, die in vielen Küchen zu finden sind. Aus der Mengen unterschiedlicher Gewürze sticht zum Beispiel das chinesische Fünf-Gewürze-Pulver heraus, das über China hinaus zum Beispiel auch in Vietnam und Thailand Verwendung gefunden hat.

Hausgemachtes chinesisches Fünf-Gewürze-Pulver

Hausgemachtes chinesisches Fünf-Gewürze-Pulver

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In China wird es häufig in Fleischmarinaden oder in der Panade von frittiertem Tofu eingesetzt, aber auch in vietnamesischen Grillgerichten findet es einen Platz. Wenn du mal etwas besonderes ausprobieren möchtest, Five-Spice harmoniert auch erstaunlich gut mit schokoladigen Desserts.

Za'atar

Auf einem Wochenmarkt im Nahen Osten findest du unter anderem eines: Gewürze, Gewürze und nochmals Gewürze. Nachdem du dir dort die Taschen vollgeschlagen hast, kribbelt es dir mit Sicherheit nicht nur in den Fingern, um endlich mit dem Kochen loszulegen, sondern auch in der Nase wegen der vielen, eindrucksvollen Gerüche. Orientalische Gerichte leben von ihrer Würze, nahöstliche Gewürzmischungen sind daher oft sehr intensiv, weshalb du mit der Dosierung nicht zu übereifrig sein solltest. Weit verbreitet im nahen Osten und im Mittelmeerraum ist Za'atar. Egal ob in Nordafrika, Israel oder Syrien, überall wird es für seine leichte Säure und den fein-herben Thymian-Geschmack geschätzt und eignet sich unter anderem zum Würzen von Dips, Marinaden und Salaten.

Hausgemachte Zatar-Gewürzmischung

Hausgemachte Zatar-Gewürzmischung

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Baharat

Baharat ist Arabisch für "Gewürze", gleichzeitig beschreibt es aber auch eine spezifische Mischung, die häufig aus Kardamom, Nelken, Koriander, Kreuzkümmel, Muskat, Zimt, Paprika und Pfeffer besteht. In der Region des Persischen Golfs findest du das Gewürz vordergründig in Verbindung mit Fleisch – ob als Marinade oder Rub. Mit dieser Mischung kannst du aber auch eine ganz besondere Spezialität ausprobieren: Kaffee Baharat, einem gewürzten Mokka.

Pikante Kichererbsen-Hackfleisch-Pfanne mit Reis und Joghurtdressing

Pikante Kichererbsen-Hackfleisch-Pfanne mit Reis und Joghurtdressing

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5 Gewürzmischungen, 5 Sorgen weniger

Halte Mörser, Pistill und einige luftdicht verschließbare Gläser bereit, denn diese Fertigmischungen solltest du in deinem Gewürzregal nicht missen!

Haferflocken-Gewürz

Der Beweis, das fertige Gewürzmischungen dein Leben erleichtern: Porridge-Gewürz. Wie oft stand ist morgens In der Küche und habe beinahe alle Asse meines Gewürzregals zu den armen Haferflocken gegeben, die danach mit Sicherheit das Gefühl hatten, dass sie allein ungenießbar seien.

Nun ja, ganz zu leugnen ist das ja tatsächlich nicht, zumindest schadet ein bisschen Würze den sättigenden, aber etwas unspektakulären Frühstücksflocken nicht. Seit ich ein Glas der Gewürzmischung im Vorratsschrank habe, ist mein Morgen entspannter als je zuvor:

● 2 EL Mandeln (gemahlen)
● 2 EL Kokosraspel
● 1 EL Zimt
● 0,5 EL Ingwer (gemahlen)
● 1 EL Vanillepulver
● 0,25 EL Nelke (gemahlen)
● 0,25 Kardamom (gemahlen)

Unter 100 g Haferflocken, die ich am liebsten mit etwas (Pflanzen-) Milch erwärme, mische ich einen gehäuften Teelöffel des Fertiggewürzes. Das Zusammenspiel aus den zimtigen Frühstücksflocken und einem knackigen Apfel ergibt das perfekte Frühstück für mich. Und das ist schon fast alles, was ich brauche – nur Kaffee fehlt noch. Schmeckt auch klasse in Obstsalat mit Joghurt!

Bagel-Alles-Gewürz

Bei meinem ersten Besuch in den USA hatte ich einen Auftrag: das berühmte Everything (but the) Bagel Seasoning mitzubringen. Kein Wunder – mehr als einen frischen Bagel, Frischkäse und die Gewürzmischung braucht es nicht.

Nur schade, wenn der Kompagnon des runden Gebäcks leer wird, und man so schnell nicht wieder nach Übersee kommt. Aber: Alle Zutaten, die du dafür brauchst, findest du auch hierzulande! So ausgefallen man es kulinarisch manchmal auch mag, so plausibel klingt eine simple Komposition aus wenigen Zutaten, wie diesen hier:

● 1 EL Meersalz  
● 1,5 EL Sesam
● 1,5 EL schwarzer Sesam 
● 0,5 EL Mohn
● 1 EL Knoblauchflocken
● 0,5 EL Zwiebelflocken

Ramen-Gewürz

Ramen-Nudeln sind göttlich, solange sie nicht mit Salz überschüttet oder mit einer übermäßigen Menge an Chili gespickt sind. Was bleibt also übrig? Sich das ultimative Ramen-Gewürz nach seinen Bedürfnissen selbst zusammenzumixen.

Bist du kein Fan von Ingwer, nimm etwas weniger von dem gemahlenen Gewürz oder lasse es ganz weg. Zu scharf, zu rauchig, nicht genügend Pepp? Passe die Zutaten nach deinen Wünschen an und kreiere die beste und schnellste Ramen-Suppe weit und breit.

● 2 EL Knoblauchpulver
● 2 EL Zwiebelpulver
● 2 EL Hühnerbrühe-Pulver
● 1 TL schwarzer Pfeffer 
● 1 EL Ingwer (gemahlen)
● 0,5 TL Chiliflocken 
● 1 TL Salz
● 1 TL geräuchertes Paprikapulver

Ein Esslöffel der Gewürzmischung reicht aus für 500 ml Wasser, das du noch mit einem Schuss Hühnerbrühe abschmecken kannst. Was dann noch fehlt sind Ramen-Nudeln, die du nach Packungsanleitung kochst und anschließend mit der Brühe aufgießt. Dazu gibst du gebratenes Rinderhackfleisch und toppst deine Nudelsuppe mit einem halbierten Ei, Frühlingszwiebeln, Sesam, Shichimi und Nori-Blättern.

Glühwein-Gewürz

Ich habe das Gefühl, diese Mischung könnte der Renner unter all den fünf Fertiggewürzen sein. Das liegt nicht nur an ihrem Duft, der direkt Weihnachtsstimmung verbreitet, sondern auch an der kinderleichten Zubereitung.

Hier noch ein Tipp für einen raffinierten Weihnachtsgruß: Füge deinen Weihnachtskarten in diesem Jahr doch ein kleines Tütchen mit der Gewürzmischung hinzu. Und das ist der Schlüssel zur Zuneigung deiner Familie & Freunde: 

● 12 Kardamomkapseln
● 10 Nelken
● 1 Sternanis
● 1 Zimtstange
● 8 Pimentkörner
● 2 TL ganzer Anis
● 1 Orange
● 60 g brauner Vollrohrzucker

Alle Zutaten außer die Orangenschale und den Vollrohrzucker wandern in den Mörser und werden zerkleinert. Anschließend kommen die beiden Zutaten hinzu und fertig ist das Gemisch. Wenn es soweit ist, befreist du die Mischung dann einfach aus ihrer Aufbewahrung und gibst es zusammen mit 1 Liter Rotwein in einen Topf. Erwärmen, aber nicht aufkochen lassen!

Alternativ kannst du die Mischung auch in einen Teebeutel geben, in den Wein legen und nach dem Kochen wieder herausnehmen. Nett wird’s dann, wenn du den Glühwein mit einer Orangenscheibe, einer Zimtstange und einem Sternanis servierst. Das ausführliche Rezept findest du hier.

Italienischer Allrounder

Ciao! Warum diese italienische Fertig-Gewürzmischung dich nicht nur um einen, sondern um all deine Finger wickelt? Weil du mit ihr mehr als nur ein spezielles Gericht, sondern zahlreiche italienischer Klassiker würzen kannst: Bruschetta, Tomatensoßen für Pizza & Pasta und Dips (beispielsweise auf Grundlage von Crème fraîche, Joghurt oder Saurer Sahne) werden nie besser schmecken. Um die Mischung zu Hause nachzumachen, brauchst du eine Menge grüner Zutaten, wie:

● 4 TL getrockneter Basilikum 
● 4 TL getrockneter Oregano
● 4 TL getrockneter Rosmarin
● 4 TL getrockneter Majoran
● 4 TL getrockneter Thymian
● 4 TL getrocknetes Bohnenkraut 
● 2 TL Knoblauchpulver 
● 2 TL Zwiebelpulver
● 2 TL edelsüßes Paprikapulver

Der italienische Allrounder kommt ohne Salz aus. Achte deshalb darauf, dass du deine Gerichte vor dem Servieren immer abschmeckst und gegebenfalls nachwürzt.

Keine andere Zutat kann den Geschmack eines Gerichtes durch die Zugabe einer nur kleinen Menge so beeinflussen, wie Gewürze. Umso mehr können Gewürzmischungen gleich mehrere Geschmacksknospen zugleich auf Hochtouren bringen.

Jetzt musst du dich nur noch für die Zusammenstellung und das Mischverhältnis der einzelnen Komponenten für deine Live-Saver-Entspannungs-Gewürzmischung entscheiden. Wo bleibt neben ein bisschen Faulheit denn sonst auch die Individualität – oder, wie es Theoretiker nennen würden, das gewisse Etwas?

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