Lisa Schölzel

Senior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

instagram.com/whatscookinglisa/

Dieser Artikel ist Teil unserer monatlichen Ausgabe “Inspiration von überall”, in der wir uns damit auseinandersetzen, wie wir Inspirationen aus der ganzen Welt und unserer unmittelbaren Umgebung in unsere eigenen Küchen bringen. Ob das durch spannende Zutaten oder neue Rezepte, uns unbekannte Techniken oder aktuelle Trends geschieht, ist dabei ganz egal. Unter diesem Link findest du eine Übersicht über alle unsere wöchentlichen Themen, Geschichten und Rezepte – und vergiss nicht, uns auf Instagram und Pinterest zu folgen! Für einen Blick hinter die Kulissen und mehr kulinarische Extras. 

Es ist eine Herausforderung, vor die mich meine kulinarische Neugier und Experimentierfreudigkeit mit neuen Rezepten und mir noch unbekannten Zutaten regelmäßig stellt: Was mache ich mit der noch dreiviertel vollen Gochujang-Paste? Wie verarbeite ich die dunkle, mir zu intensive Misopaste, die ich für diese Miso-Cookies gekauft habe? Wie verarbeite ich die Vorratspackung Garam Masala, die ich natürlich auch in einer kleineren Menge hätte kaufen können? Und wie mache ich das alles möglichst, bevor die Zutaten ihr Aroma und ihren Kampf gegen meinen Drang nach Neuem und Unbekanntem verlieren? Ich möchte nichts wegschmeißen, nur weil ich nicht gut planen kann oder gar gelangweilt bin.

Hast du eine angebrochene Zutat wie ein Gewürz, eine Paste oder was auch immer und keine Idee, wie du sie aufbrauchen kannst? Vielleicht haben wir einen Tipp, wenn du deine übriggebliebene Zutat in den Kommentaren teilst!

Milchmädchen-Rezepte

Ich gehe jetzt mal etwas vorschnell und nicht evidenzbasiert davon aus, dass jede*r solche Zutatenleichen in seinem Schrank hat. Das können Geschenke sein, wie etwa ein besonderes Öl und Gewürzmischungen, oder eben die angebrochene Tube Milchmädchen, wie ich sie immer zur Erdbeerzeit in meinem Kühlschrank liegen habe. Milchmädchen, also süße Kondensmilch, drückt man nämlich direkt aus der Tube auf die frische Erdbeere in der Hand. Das war schon meiner Oma klar und meiner Mama auch.

Oft lasse ich mich in meiner Küche von Gerichten und Rezepte inspirieren, die mich einfach angelächelt haben und gehe auf Basis dessen einkaufen. Wenn ich mir meine Speisekammer und meinen Kühlschrank aber so angucke, dann sollte ich diesen Inspirationsweg mal in die andere Richtung laufen. Die Frage ist also nicht: Für was kaufe ich heute ein? Stattdessen lautet sie: Was kann ich mit dem Rest Milchmädchen kochen oder backen? Ohne natürlich wieder neue angebrochene Packungen zu generieren, die sich nicht in meinem normalen Alltag aufbrauchen lassen.

Unsere Designerin Amina (die mir im Titelbild übrigens nicht nur diese wunderbaren grünen Haare verliehen, sondern auch meine Erdbeer-Milchmädchen-Liebe festgehalten hat) meinte direkt: „Kennst du Milchmädchentorte?“. „Kenne ich nicht“, habe ich geantwortet, „kommt aber direkt auf die Liste für diesen Sommer.“ Und außerdem vietnamesischer Eiskaffee à la Mary-Linh, denn damit sollte mehr als nur eine Tube zu leeren sein. Und: Milchmädchen kann man auch selber machen, um so die hierzulande bekannte Marke und den Verpackungsmüll zu umgehen.

Milchmädchen selber machen

Weil Milchmädchen nichts anderes ist als (stark) gezuckerte Kondensmilch, braucht man für das Basisrezept genau diese 2 Zutaten: Vollmilch und Zucker. Wie bei allen Dingen, die man selber herstellt, lässt sich auch hier das Verhältnis ganz nach eigenem Gusto anpassen. Manche Rezepte verwenden ein 1:1-Verhältnis, manche 250 g Zucker auf 2 l Milch. Die Milch wird gemeinsam mit dem Zucker (und eventuell Vanillezucker) unter ständigem Rühren zum Köcheln gebracht. Weiter rühren und köcheln lassen, bis die Milch andickt. Hast du die gewünschte Konsistenz erreicht, kannst du deine gesüßte Kondensmilch direkt in sterile Gläser füllen und abkühlen lassen. Sie ist dann luftdicht verschlossen ein paar Monate haltbar.

Rezepte mit Kokosmilch

Meine Kollegin Xueci war diejenige, die mich in die richtige Richtung für diesen Artikel geschubst hat, als sie mir von ihrer neu entdeckten Wertschätzung für Kokosmilch in Dosen erzählt hat:

„Ich habe seit der Pandemie mehr Kokosmilch in meine Kochroutine integriert, weil ich nicht mehr wie zuvor regelmäßig in südostasiatische Restaurant gehen kann. Sie bringt eine reichhaltige Konsistenz in Suppen und Currys – und natürlich diesen tollen Kokosnussduft. Das Problem ist, wenn ich eine Dose oder ein Tetrapack öffne, ist es immer zu viel für die Menge, nach der ein Rezept verlangt (zumindest für einen Single-Haushalt). Nachdem ich also eines Tages Alison Romans Kichererbseneintopf gekocht hatte, verlangte die übrig gebliebene Kokosmilch danach, mich auf die Suche zu begeben, was ich mit dem Rest tun kann. Es gibt tatsächlich eine Menge Möglichkeiten, sie zu verwenden. Am Ende kochte ich fantastische marinierte Garnelen mit Sambal Oelek (ein weiteres großartiges, haltbares Grundnahrungsmittel) von unserem Küchenchef Christian und Rubys neues Rezept mit wachsweichen Eiern in cremiger Kurkumasoße, das auch saisonalen Schwarzkohl enthält, den ich auf dem Wochenendmarkt gekauft hatte. Es ist eine so interessante Art, meine Kochkünste zu erweitern, dass meine Liste mit Devans roter Curry-Hühnersuppe und Tejal Raos Kokosnussreis weitergeht. Denn etwas Kokosmilch ist immer gut!“

Rezepte mit Harissa (und Erdnussbutter!)

Unserer Redaktionsleiterin Devan geht es ähnlich mit Harissa, einer scharfen Gewürzpaste, und Erdnussbutter:

„Ich würde immer wieder Erdnussbutter sagen, die ich für so viele verschiedene Dinge verwende, egal ob süß oder herzhaft. Wir haben einen ganzen Artikel darüber! Und dieser Artikel hat mich dazu inspiriert, meine Verwendung von Harissa in der Küche und mein Ess- bzw. Kochverhalten im Allgemeinen zu überdenken. Jedenfalls habe ich immer eine Tube Harissa im Kühlschrank, die ich allerdings nicht jeden Tag und allgemein gar nicht so häufig verwende. Der Artikel behandelt die verschiedenen Arten, wie Harissa in der tunesischen Küche tatsächlich gegessen und verwendet wird und öffnete mir die Augen für andere Möglichkeiten. Anstatt das klassische Harissa Du Cap Bon zu verwenden (das ich immer für Marinaden, Saucen, Glasuren usw. da habe), wandte ich mich an eines meiner Lieblingsrestaurants in Berlin, Rocket + Basil, die jetzt tatsächlich ihr hausgemachtes Rosenharissa verkaufen. Ein Ergebnis der Pandemie, für das ich wirklich dankbar sein kann. Ich habe ein Glas ergattert und verwende es so, wie es in dem Artikel von Taste am besten beschrieben wird: Ich schmiere es auf warmes Brot mit Olivenöl und genieße die komplexen Aromen der Chilis und Gewürze in ihrer einfachsten Form.“

Mehr Inspiration aus der Vorratskammer gefällig?

Ich finde es immer wieder spannend, wie das Thema Essen niemals aufzuhören scheint. Man lernt immer etwas Neues kennen und die Irgendwann-mal-ausprobieren-Liste wird so immer länger. Und diese Art, diese „umgedrehte Rezeptsuche“, lässt sich so ziemlich immer anwenden: Du hast noch ein paar getrocknete Chilis zu Hause? Probiere dich an diesem neuen alten Trend! Die vielen Eier sollten bald verwendet werden? Vielleicht inspiriert dich dieses Rezept (oder dieses charmante Video). Und auch für Dosentomaten und Kichererbsen (und Kichererbsenwasser, genannt Aquafaba) gibt es sicherlich noch eine spannende Idee, die dir vielleicht nicht auf der Stelle eingefallen wäre. Und wenn es doch etwas anderes werden soll, dann helfen unsere Rezepte mit nur 5 Zutaten für einen punktgenauen Einkauf. Guten Appetit!

Also geh los, such nach Inspiration in deiner eigenen Speisekammer und dem Kühlschrank, und lass uns in den Kommentaren weiter unten wissen, wie es so läuft. Wir sind hier, um zu helfen, also stell uns deine Fragen und wir geben uns Mühe, dir mit Rezeptideen zu antworten!

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