Ruby Goss

Senior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

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Dieser Artikel ist Teil unserer monatlichen Ausgabe “Inspiration von überall”, in der wir uns damit auseinandersetzen, wie wir Inspirationen aus der ganzen Welt und unserer unmittelbaren Umgebung in unsere eigenen Küchen bringen. Ob das durch spannende Zutaten oder neue Rezepte, uns unbekannte Techniken oder aktuelle Trends geschieht, ist dabei ganz egal. Unter diesem Link findest du eine Übersicht über alle unsere wöchentlichen Themen, Geschichten und Rezepte – und vergiss nicht, uns auf Instagram und Pinterest zu folgen! Für einen Blick hinter die Kulissen und mehr kulinarische Extras.

Als wir uns im Kitchen Stories-Team letzten Monat die Frage stellten, wo wir unsere Kochinspiration finden, führte das zu einer ziemlich ausufernden und mit Links überladenen Slack-Konversation. Steven, unser Operations Assistant, und ich fanden dabei heraus, dass wir diese Frage genau gleich beantworten: Wir werden inspiriert von den unverkennbaren Geschmäckern, die uns an unser Zuhause erinnern.

Wir beide sind irgendwie davon besessen, Gerichte zu rekreieren, die wir früher gegessen und geliebt haben – die wir aber nie selbst zubereitet haben. Stevens Nostalgiegerichte (er kommt ursprünglich aus Devon in Großbritannien) reichen von Sausage Roll, Fish and Chips (oder sogar Fish and Chips Burger, falls du dich erinnerst, und falls nicht: hier ist das Video) bis hin zu Hähnchen Tikka Masala. Letzteres bereitet er diesen Monat alsVideorezeptfür euch zu.

Klicke auf das Rezept unten, um zu sehen, wie Steven Hähnchen Tikka Masala zubereitet

Steven macht Hühnchen Tikka Masala

Steven macht Hühnchen Tikka Masala

→ zum Rezept

“Wenn man in Großbritannien aufwächst, kommt man zweifellos früh in Kontakt mit indischem Essen”, erzählte Steven in unserem digitalen Meeting. Seine Katze neben ihm verharrte währenddessen so stoisch in der Pose einer Sphinx, dass ich überzeugt war, dass er einen Hintergrundfilter eingestellt haben musste. “Indisches Essen wird seit Hunderten von Jahren in Großbritannien gegessen, sodass mittlerweile ein charakteristischer britisch-südasiatischer Restaurant-Kanon entstanden ist. Einerseits ist es ein Teil des alltäglichen Lebens, aber gleichzeitig hat es mich mit seinen aufregenden, komplexen Aromen immer sofort an einen anderen Ort transportiert. Es gibt bei indischem Essen so viele Varianten von salzigen, süßen, sauren und scharfen Geschmäckern, so viele verschiedene Zutaten treffen aufeinander, das findet man einfach nicht in der “traditionellen” britischen Fleisch-und-Kartoffel-Küche.”

Mittlerweile fast schon synonym mit britischem Essen verwendet, wird Hähnchen Tikka Masala oft als wahres Beispiel für “Fusion”-Küche angeführt. Über seinen Ursprung gibt es viele Erzählungen, zum Beispiel, dass es in Glasgow “erfunden” wurde oder eine Variante des indischen Butterhuhns ist. Egal, welcher du Glauben schenkst, klar ist, dass das Gericht, so wie wir es heute kennen, seine Ursprünge in den Händen südasiatischer Köch*innen hat, die in britischen Restaurants gekocht haben und dass es sich von ähnlichen Gerichten unterscheidet, die an anderen Orten zu finden sind.

“Angeblich ist Hähnchen Tikka Masala eines der beliebtesten Gerichte in Großbritannien. Heutzutage findet man es überall – zum Mitnehmen, in Cafés, in Restaurants aller Farben und Formen, im lokalen Supermarkt und sogar im Pub. Natürlich kommt nichts davon gegen die Varianten an, die man in einem guten indischen Restaurant bekommt. Eine tolle Masala-Soße schafft die perfekte Balance von Cremigkeit, Tomate, Süße und Gewürzen. Ein bisschen Zitrone und Koriander verliehen Leichtigkeit und Frische. Das Hähnchen Tikka selbst sollte eine rauchige, leicht verkohlte Außenseite haben, innen aber wunderbar zart und saftig sein.”

Wie man ein Gericht aus der Erinnerung nachkocht

Folgende Erfahrung können wir vermutlich alle nachempfinden: Als Steven zum ersten Mal versucht hat, Hähnchen Tikka Masala zu Hause zuzubereiten, war er von den Resultaten nicht besonders beeindruckt oder motiviert: “Es war eines dieser Gerichte, die ich nie nachgekocht habe. Wieso auch? Es war so lecker und einfach, es auswärts zu essen. Ich erinnere mich an meine frühesten Versuche, Hähnchen Tikka Masala nachzukochen. Die Soße wurde viel zu tomatig, oder ich habe die Gewürze falsch eingesetzt – so viele auf einmal, dass es total durcheinander geschmeckt hat.”

Zurück in der Gegenwart fand Steven, wie vermutlich viele Leute, die zu Hause kochen, Hilfe auf YouTube. Besonders die Videos von Chintan Pandya und YouTube-Megastar Vahchef führten Steven in die richtige Richtung, um ein Rezept zusammenzustellen, das für ihn nach Zuhause schmeckt.

5 Tipps für wirklich gutes Hähnchen Tikka Masala

Als er zu Hause herumprobierte, hat Steven diese 5 Tipps beachtet und sie halfen ihm dabei, ein besseres Tikka Masala zuzubereiten, als er es je für möglich gehalten hätte.

1. Temperiere deine Gewürze: Temperieren bedeutet, dass man die Gewürze sanft in Öl erhitzt, um ihr ganzes Aroma zu extrahieren. Zum Temperieren solltest du deinen Herd auf mittelhohe Stufe stellen und die Gewürze nur für eine sehr kurze Zeit im heißen Öl ziehen lassen. Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass viele Rezepte verlangen, die Gewürze zu temperieren, bis sie duften – das ist der Schlüssel! Die Gewürze sollten nicht zu lange erhitzt werden, da zu viel Hitze manche von ihnen bitter machen kann.

2. Verwende frische Gewürze: Wirf einen Blick auf das Haltbarkeitsdatum deiner Gewürze, bevor du loslegst! Gemahlene Gewürze behalten ihren komplexen Geschmack oft nicht allzu lang. Wenn du kannst, ist es immer am besten für den Geschmack, die Gewürze selbst zu mahlen.

3. Lass dir Zeit: Steven empfiehlt die Zwiebeln für mindestens 15-20 Minuten zu dünsten, damit sie eine ausgeprägte Süße entwickeln. Danach solltest du sie ein paar Minuten in der Pfanne liegen lassen, bevor du ablöschst. “Wenn du es so machst, ist es schon fast keine Zwiebel mehr – es wird zu etwas ganz Neuem! Durch diese Technik kannst du aus fast jedem Eintopf ein Ragout machen.” Er empfiehlt, mit den Tomaten genauso vorzugehen und sie zu einer Paste zu reduzieren.

4. Begib dich auf die Suche nach dem letzten Schliff: Eine Prise Kasuri Methi (getrocknete Bockshornkleeblätter), die, so Steven, ein “fenchel-sellerie-tee-artiges Aroma” haben, geben dem Gericht eine zusätzliche Geschmacksdimension, die Steven direkt in die Vergangenheit versetzt hat. Das Kasuri Methi sollte zum Ende der Kochzeit hinzugefügt werden. Kaufen kannst du es ohne Probleme in asiatischen Lebensmittelgeschäften, Biomärkten oder online.

5. Nicht alle Chilis sind gleich: Während er das Rezept in Berlin entwickelt hat, fiel es Steven nicht so leicht, Kashmiri-Chilipulver zu finden. Dieses gibt dem Hähnchen Tikka Masala eine leuchtend rote Farbe und eine milde Schärfe. Es einfach durch gewöhnliches scharfes Chilipulver oder Chiliflocken zu ersetzen würde das Gericht schnell zu scharf machen. Um sich dem Geschmack von Kashmiri-Chilipulver anzunähern, hat Steven deshalb eine Kombination aus geräuchertem und süßerem Paprikapulver und einer grünen Chilischote verwendet.

Ein letzter Tipp: Vergiss nicht, es ist ein 2-in-1-Rezept!
Hähnchen Tikka Masala besteht aus zwei Bestandteilen, die eigentlich schon für sich allein genommen komplette Rezepte sind: mariniertes, geröstetes Hähnchen (traditionellerweise in einem Tandoori-Ofen gebacken) und eine duftende, aromatische Soße, die auf Garam Masala, also einer speziellen Gewürzmischung basiert. Du kannst das Rezept natürlich auch teilen, um dich mehr auf das Hähnchen oder auf die Soße zu fokussieren und es mit Naan, Beilagen oder Gemüsegerichten ergänzen.
Schau dir das Video an, um Steven dabei zuzusehen, wie er sein Hähnchen Tikka Masala zubereitet – falls du irgendwelche Fragen für ihn hast, stelle sie ihm in den Kommentaren!

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