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Lisa-Kristin Erdt

Junior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

„Low and Slow“ – das ist Programm bei der Zubereitung von Pulled Pork: Es wird langsam über mehrere Stunden bei niedrigen Temperaturen gegart. Das lange Warten lohnt sich aber, denn das Fleisch ist zart und saftig, wenn du es dampfend vom Kohlegrill nimmst. Doch der schönste Moment kommt erst danach, wenn du es butterweich mit zwei Gabeln auseinander ziehst und zwischen luftigen Burgerbrötchen verspeist. Eine schöne Vorstellung, nicht wahr?

Der Weg zum wahrgewordenen Pulled- Pork-Traum ist lang, mit unserer Hilfe aber garantiert nicht steinig. Mit unseren Tipps und Tricks kannst du das populäre Gericht, das mittlerweile in unzähligen Restaurants angeboten wird, auch bei dir zu Hause zubereiten.

Was heißt Pulled Pork und was ist das genau?

Die englische Bezeichnung „Pulled Pork“ hat sich auch hierzulande durchgesetzt. Den weiten Weg von den Vereinigten Staaten über den Atlantik zu uns hat er nicht nur überstanden, weil der wörtlich übersetzte Begriff „auseinander gezogenes Schweinefleisch“ weitaus weniger appetitlich klingt, sondern auch, weil das Fleisch in den USA als Delikatesse gilt und die Zubereitung eine Kunst für sich darstellt.

„Pulled“, zu Deutsch „auseinanderziehen“, impliziert die langwierige Zubereitung des Schweinefleisches. Bevor es nämlich zart und saftig ist und leicht mit den Händen auseinandergezogen werden kann, muss es ungefähr 24 Stunden bei niedrigsten Temperaturen gegart werden. Wer also in den Genuss des delikaten Fleischgerichtes kommen will, braucht eine große Portion Enthusiasmus und Geduld.

Auf traditionelle Weise wird Pulled Pork im Smoker oder auf dem Kohlegrill zubereitet. Solltest du nicht ausgerüstet sein, wie die meisten Südstaaten-Familien in den USA, gibt es andere Garmethoden, mit denen auch du dem zarten Schweinefleisch näherkommen kannst.

Welches Fleisch braucht man für Pulled Pork?

Für saftiges Pulled Pork eignet sich Schweineschulter mit Knochen am besten, alternativ kannst du auch Schweinenacken ohne Knochen verwenden. Diese Teile vom Schwein sind von Fett und Bindegewebe durchzogen, wodurch das Fleisch saftig bleibt und sich nach dem Garen gut auseinanderziehen lässt. Hierbei zählt: Qualität hat zwar seinen Preis, aber hochwertiges Fleisch verliert tendenziell weniger Flüssigkeit und Aroma. Ein gutes Stück bekommst du beim Metzger oder Bauernhof deines Vertrauens, auf Discounterfleisch solltest du lieber verzichten.

Bevor das Fleisch gegart wird, musst du es marinieren und in Frischhaltefolie gewickelt 12 bis 24 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Wie du es am besten marinierst, erklären wir dir später.

Kerntemperatur: Wie warm braucht es Pulled Pork?

Die Temperatur im Inneren der Schweineschulter oder des -nackens ist entscheidend für die Konsistenz und den Geschmack des Endproduktes. Da es für eine längere Zeit, dafür aber bei niedrigeren Temperaturen garen muss, solltest du die Kerntemperatur des Fleisches ständig überprüfen. Wenn du dich für die Zubereitung im Kohlegrill entscheidest, solltest du ein Thermometer durch den oberen Luftschlitz führen und in die Mitte des Fleischstückes stecken. Im Inneren des Grills sind Temperaturen von 100 bis 120 °C ideal.

Die Kerntemperatur des Fleisches wird sich stetig verändern. Es durchläuft dabei sogenannte Plateauphasen, die durch die Verdunstung der Flüssigkeit auf dem Fleisch zustande kommen. Niemals solltest du dann in Versuchung kommen, die Temperatur des Grills zu erhöhen. Nach ein paar Stunden Garzeit ist das erste Plateau von etwa 65 °C erreicht. Ein zweites Wärmeplateau wird bei einer Temperatur von um die 80 °C liegen. Das Fleisch ist fertig, wenn es eine Kerntemperatur von 92 °C erreicht hat. Insgesamt dauert es bis zu diesem Punkt ca. 14 bis 18 Stunden.

Mit welcher Marinade wird’s besonders lecker?

Die Kruste deines Pulled Pork mischt sich nach späterem Auseinanderziehen unter das Fleisch und liefert dir knusprige, aromatische Akzente. Deshalb ist es so wichtig, der Marinade besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken. Die Trockenmarinade, der sogenannte „Rub“, bietet die geschmackliche Grundlage. Sie besteht aus verschiedensten Gewürzen, die du entweder nach eigenem Geschmack zusammenstellen kannst oder du besorgst dir fertige Mischungen.

Magst du es lieber scharf, kannst du etwas mehr Chili verwenden, für eine orientalische Note mischst du am besten mehr Kreuzkümmel oder Zimt unter. Zucker und Salz sollten immer Bestandteile deines Rubs sein, da sie Geschmack liefern und eine schöne Kruste entstehen lassen. Weiterhin sind Rosmarin, geräuchertes Paprikapulver, Curry, Senf- und Koriandersamen sowie Zwiebelpulver und Pfeffer geeignete Gewürze. Gib alle Zutaten in eine beschichtete Pfanne und röste sie zwei Minuten an, damit sie ihre Aromen entfalten. Verarbeite anschließend alles in einem Mörser zu Pulver.

Damit die Gewürzmischung am Fleisch haften bleibt, reibe es mit Senf, Honig oder einfach nur Wasser ein. Danach trägst du das Pulver großzügig auf. Spare hierbei nicht, das Fleischstück sollte von allen Seiten gut bedeckt sein. Abschließend wickelst du es in Frischhaltefolie und lässt es für 12 bis 24 Stunden im Kühlschrank marinieren.

Mit Cola, Kaffee und Co.: Pulled Pork mal anders

Zu einer Portion Pulled Pork trinkt man ein Glas Cola – klingt erstmal ganz logisch, oder? Aber was hat Kaffee mit dem delikaten Fleisch zu tun? Cola und auch Kaffee stehen oftmals nicht nur auf der Getränke-, sondern auch auf der Zutatenliste.

Was erstmal wie ein ausgefallenes Experiment klingt, kann durchaus der Geheimtipp für Pulled-Pork-Liebhaber werden. Cola findet ihren Platz in der Soße, in der das Fleisch gart. Sie macht es zarter und liefert durch ihre Geschmackskomponenten ein besonderes Aroma. Ähnlich verhält es sich mit Kaffee, der seine Röstaromen entweder in der Soße, oder als Pulver in der Trockenmarinade entfalten kann.

Pulled Pork Burger: Das Rezept für den Klassiker

Pulled Pork, gestapelt mit knackigem Salat und geschmolzenem Käse zwischen zwei knusprigen Brötchenhälften – was will man mehr? Ein Pulled Pork Burger ist ohne Frage ein Burger der Extraklasse, der es geschmacklich in sich hat. Hast du das zarte Schweinefleisch erst einmal zu Hause zubereitet, kannst du es über mehrere Tage kühl und luftdicht aufbewahren und der Zeitaufwand bei der Zubereitung kann im Nu vergessen werden.

Beim Burgerbelag kannst du zwischen den verschiedensten Delikatessen variieren, Hauptakteur wird aber nach wie vor das saftige Pulled Pork bleiben. Für dein Geschmackserlebnis entscheidend ist die Harmonie des Zusammenspiels der Zutaten. Von Camembert bis Cheddar, von Erdnusssoße bis Honigdressing oder verschiedensten Salaten kannst du auswählen, was sich für dich am ehesten wie ein wahres Geschmacksfeuerwerk anhört. Einen köstlichen Anreiz geben wir dir mit unserem Burger-Rezept:

Pulled Pork Burger mit Honig-Senf-Sauce

Pulled Pork Burger mit Honig-Senf-Sauce

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Natürlich kannst du die einzelnen Komponenten wie Brötchen und Soßen selbst herstellen und begibst dich damit auf das Meisterlevel. Bevor wir uns aber mit dem Expertenniveau beschäftigen, sollten vorerst die Basics geklärt werden. Wie stellt man Pulled Pork eigentlich her und was braucht man dafür?

Welche Brötchen passen dazu?

Der Geschmack des zarten Schweinefleisches wird, egal in welcher Kombination, als Hauptakteur hervorstechen. Zu einem Pulled Pork Burger gehören jedoch auch die richtigen Brötchen. Denn ohne gute Brötchen gibt es keinen guten Burger – das ist die bittere Wahrheit. Ein frisch gebackenes, warmes, luftig lockeres Burgerbrötchen kann das Fleisch nämlich erst gebührend in Szene setzen.

Beim Bäcker um die Ecke wirst du wahrscheinlich nur ungeeignete Brötchen mit Kruste finden und die Sorten aus dem Supermarkt lassen dank Plastikverpackung und Zusatzstoffen auch zu wünschen übrig. Also schnappe dir deine Kochschürze und bemehle schonmal die Arbeitsfläche, selbst gebacken schmeckt eben einfach besser! Und Zeit genug dafür hast du allemal, während deine Schweineschulter stundenlang vor sich hin gart. In unserer Videoanleitung zeigen wir dir alle wichtigen Schritte für die perfekten, selbstgemachten Burgerbrötchen.

Beilagen: Was passt zu Pulled Pork?

Dass man Pulled Pork klassischerweise zwischen Burgerbrötchen serviert, haben wir bereits geklärt. Der Genuss hört dort aber noch lange nicht auf, denn auch an Grillabenden mit Freunden darf die Delikatesse nicht fehlen. Passend zu Pulled Porkl sind beispielsweise Coleslaw, also Krautsalat, Maiskolben oder Kartoffeln in jeglicher Ausführung. Hast du zum Beispiel Lust auf knusprige Fries oder sollen es eher Bratkartoffeln oder Gratin sein?

Knusprige Auberginen-Pommes mit Limetten-Dill-Dip

Knusprige Auberginen-Pommes mit Limetten-Dill-Dip

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Buntes Kartoffelgratin

Buntes Kartoffelgratin

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Rezept für Sauerkraut bzw. Cole Slaw

Neben seinem Einsatz im Burger kann er wie jeder andere Salat als knackige Zugabe zu Schweinefleisch serviert werden. Die Zubereitungsart ist fast so vielfältig wie genial, denn nachdem du Kohl, Zwiebeln und Karotten fein gehobelt hast, fehlt es nur noch an ein paar wenigen Zutaten, bis er verspeist werden kann.

Nach klassisch amerikanischem Rezept peppt man den Kohl mit Mayonnaise auf. Verwende davon aber nicht allzu viel, da sich beim Ruhen des Salates im Kühlschrank noch einiges an Flüssigkeit absetzt. Exotischer wird es, wenn du der Kohl-Grundlage Cranberrys hinzufügst. Etwas Buttermilch und saure Sahne sorgen für eine angenehme Säure und machen den Krautsalat gleichzeitig besser verdaulich.

Coleslaw mit Cranberrys

Coleslaw mit Cranberrys

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Pulled Pork selber machen: Spezialtipps für die verschiedenen Geräte

Selbst, wenn du keine Profi-Ausrüstung zu Hause hast, musst du dich nicht länger nach dem nächsten Restaurantbesuch verzehren. Wir zeigen dir, mit welchen Geräten Pulled Pork bald den Weg auf deinen Teller findet.

Im Kugelgrill für gute Wärmeverteilung

Die Meister der Fleischkunst garen das Schweinefleisch im Kugelgrill. Hier gibt es einiges zu beachten, am Ende wirst du aber mit besonders zartem Pulled Pork mit Raucharoma entlohnt. Hier spielt die Wahl der Briketts, die Kohle, die Zugluftregulation und die Innentemperatur eine wichtige Rolle, um langanhaltend eine konstante, niedrige Temperatur zu bewahren.

Aus dem Smoker für rauchiges Aroma

Eine weitere, klassische Methode ist die Zubereitung im traditionellen Smoker. Profis schwören darauf, denn der rauchige Geschmack des saftigen Fleisches aus dem Smoker ist unverwechselbar. Im Unterschied zum Kohlegrill besitzt ein Smoker zwei Kammern, damit das Fleisch nicht direkt mit den Flammen in Berührung kommt, sondern ausschließlich durch die Wärme und den heißen Rauch gegart wird. Der Knackpunkt: Für diese Methode ist Erfahrung und viel Aufmerksamkeit gefordert, um das Feuer und die Temperatur unter Kontrolle zu halten.

Auf dem Gasgrill – geht das überhaupt?

Wenn du auf das typische Raucharoma verzichten kannst, bietet dir ein Gasgrill die perfekte Alternative zum Kugelgrill oder Smoker. Optimalerweise steht ein Gasgrill mit drei Brennern in deinem Garten, der Hitze gleichmäßig indirekt verteilen kann. Stelle den linken und rechten Brenner auf kleinste Stufe und lasse den mittleren Brenner außen vor.

Platziere einen Bräter mit heißem Apfelsaft oder Wasser im Grill und lege einen Rost darauf, auf dem du dein Fleisch positionierst. So erreicht die Hitze das Schweinefleisch überall und kann gleichmäßig gegart werden. Bei 100 bis 110 °C benötigt die Schweineschulter ungefähr 12 bis 15 Stunden, bis eine Kerntemperatur von 92 °C erreicht hat.

Im Backofen – Mit oder ohne Bratschlauch

Auch im Backofen kannst du Pulled Pork garen. Bereite das Fleisch dafür mit der Marinade wie oben beschrieben vor, fülle einen Bräter mit Apfelsaft oder Wasser und stelle ihn auf den Boden des Ofens. Heize den Backofen auf 100 bis 110 °C vor und stecke ein Thermometer in die Mitte des Fleisches (aufgepasst: lasse das Thermometer dabei nicht in die Nähe des Knochens kommen, da er kühler als das Fleisch ist).

Lege das Schweinefleisch mittig auf einen Ofenrost und schiebe ihn über dem Bräter in den Ofen. Nun kannst du dich entspannt zurücklehnen: Bis die Kerntemperatur von 92 °C erreicht ist, dürften bis zu zwölf Stunden vergehen.

Du kannst dir für mehr Geschmack auch einen Bratschlauch zur Hilfe nehmen und das marinierte Fleisch samt Flüssigkeit darin verschließen, um ein Tropfen zu vermeiden. Allerdings musst du bei dieser Methode die Kerntemperatur schätzen oder alternativ ein Bratenthermometer in das Fleisch stechen.

Passende Garzeit im Slow Cooker

Ein Slow Cooker oder auch Schongarer bietet dir eine unkomplizierte, energiesparende Möglichkeit, schnell ein saftiges Pulled Pork zu zaubern. Die Garzeit beträgt ungefähr acht Stunden. Hierbei wird unter dem Siedepunkt gegart, sodass nichts anbrennen kann.

Im Dutch Oven: Pulled Pork aus dem Feuertopf

Der sogenannte Feuertopf macht seinem Namen alle Ehre: Ein Dutch Oven ist ein Gefäß aus Gusseisen, das zum Kochen, Braten und Backen über offenes Feuer gehängt wird. In ihm kann das Pulled Pork bereits nach 4 bis 5 Stunden fertig sein, wenn es vorher ungefähr eine Stunde vorgeräuchert wird. Im Feuertopf gart das Schweinefleisch dann gemütlich vor sich hin – wie wäre es also mit einer traditionellen Lagerfeuerrunde, wie es die Cowboys schon damals gemacht haben?

Pulled Pork sous vide

Zu guter Letzt stellen wir dir eine weitere Meisterklasse in der Zubereitung von Pulled Pork vor: Durch das Sous Vide Garen holst du das Maximum an Geschmack aus der Schweineschulter heraus. Mit dieser Methode wird dein Fleisch ausgesprochen zart, da es eingeschweißt im Wasserbad bei konstanter Temperatur gegart wird. Nach 18 bis 24 Stunden im 74 °C warmen Wasserbad hat es die Marinade gründlich aufgenommen und wird anschließend im Ofen oder auf dem Grill für ca. drei weitere Stunden fertig gegart.

Wie bereitest du dein Pulled Pork zu? Zu welchen Beilagen und mit welcher Marinade schmeckt es dir am besten? Teile deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

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