Ein Blick hinter Indiens vielseitige Küche

Wahrscheinlich weißt du durch die Besuche bei deinem indischen Lieblingsrestaurant schon einiges über indische Zutaten, Aromen und Texturen. Aber es könnte gut sein, dass dieses Wissen nur an der Oberfläche der indischen Küche und der Vielfalt ihrer unterschiedlichen Gerichte kratzt. Es ist nur wenigen Menschen bekannt, dass die indische Küche genau so regional vielfältig wie die italienische Küche ist. Die Unterschiede können dabei riesig sein: Während man in einer Region Milch und Käse in Massen verwendet, verzichten andere Regionen komplett auf sie.

Tandoor-Öfen aus Ton (und immer häufiger aus Edelstahl) verleihen Brot und Fleischprodukten in der Punjab-Region in Nordindien Tiefe und Geschmack. Das alltägliche Essen in den südlichsten Gegenden in Kerela besteht dagegen hauptsächlich aus Currys mit Meeresfrüchten. Obwohl die folgenden Gerichte zu den beliebtesten der indischen Küche zählen, haben sie auch Wurzeln in anderen Regionen und wurden von unterschiedlichen Völkern zu dem gemacht, was sie heute sind. Wir nehmen heute 4 dieser Gerichte genau unter die Lupe und finden heraus, wo und wie sie entstanden sind.  

Wenn du das nächste mal indisches Essen kochst (oder bestellst), wirst du genau wissen, was jedes dieser Gerichte so einzigartig macht.

Naan

Man geht davon aus, dass Naan durch die Perser und Mogule nach Indien kam. Das ergibt auch viel Sinn, denn Variationen dieses gesäuerten, gebackenen Fladenbrots findet man vom Iran bis nach Pakistan und von Aserbaidschan bis nach Ostchina. Naan wird im Tandoor-Ofen gebacken und enthält dadurch auch seine spezielle Textur – auch das unterscheidet es von ähnlichen Fladenbroten wie dem malaysischen Roti Canai. 

Nach dem Backen wird Naan mit Butterschmalz oder Ghee bestrichen und manchmal auch mit Schwarzkümmel-Samen, Kreuzkümmel oder sogar Rosenessenz bestreut. Es ist ein essentieller Bestandteil fast jeder Mahlzeit im Nahen Osten, Zentral- und Südasien.  

Sein typisches Aussehen bekommt das Naan durch Luftblasen, die aufsteigen und im Tandoor-Ofen verkohlen. Dadurch kann Naan knusprig bis weich und leicht zäh bis luftig sein. Mit diesem Rezept kannst du Naan zu Hause backen und wirst merken, dass man auch ohne Tandoor-Ofen eine ähnliche Teigkonsistenz erreicht und dass es keine bessere Beilage zu deinem nächsten Curry gibt. 

Hausgemachtes Naanbrot

Hausgemachtes Naanbrot

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Würziges Käse-Naan

Würziges Käse-Naan

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Palak Paneer

Die Region Punjab liegt in Nordindien und grenzt im Westen an Pakistan. Es ist eine kulturell und geografisch vielseitige Region, wie auch ihre Küche zeigt. Sie ist nicht nur für ihre traditionelle Tandoor-Küche bekannt, sondern noch berühmter für den häufigen Einsatz von Milchprodukten. Das ist jedoch kein Wunder, denn die Milchproduktion ist auch ein wichtiger Wirtschaftszweig der Gegend. 

In Palak Paneer findet sich reichlich frischer Käse – und genau das bedeutet “paneer” auch auf Urdu, der Nationalsprache Pakistans. Die Kombination aus “palak” (die Übersetzung von frischem Spinat auf Urdu) und “paneer” wird zu einer reichhaltigen Beilage oder einer ausreichenden vegetarischen Hauptspeise. Mit seiner grünen Farbe und seinem erdigen Geschmack ist dieses Gericht einfach ein Traum - egal, ob man Vegetarier ist oder nicht. 

Palak Paneer

Palak Paneer

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Chicken Tikka Masala

Die indische Küche ist vor allem durch den Kolonialismus im Laufe der Jahre mit zahlreichen anderen Küchen verschmolzen. Doch keine Verschmelzung ist deutlicher (und leckerer) als die mit der Küche Großbritanniens. 

Das Gericht Chicken Tikka kommt eigentlich aus Punjab. Hühnchenfleisch wird in einer gewürzten Joghurtmischung mariniert und anschließend im Tandoor-Ofen gebacken. So wird bis es von außen fast schwarz, aber innen super zart. In Großbritannien ist dieses Gericht äußerst beliebt und wurde über die Jahre immer wieder verändert, um den Geschmack der Briten noch besser zu treffen. Heraus kam dabei Chicken Tikka Masala. Dieses Gericht nimmt das traditionelle Tikka Chicken und kombiniert eine cremige, orangefarbene Tomatensoße dazu, die üblicherweise mit Knoblauch, Koriander, Kreuzkümmel und Garam Masala gewürzt wird. 

Hühnchen Tikka Masala

Hühnchen Tikka Masala

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Großbritannien war sogar so stolz auf diese neue Interpretation des klassisch indischen Gerichts, dass im Jahr 2011 der Antrag im britischen Unterhaus gestellt wurde, Chicken Tikka Masala mit einem EU-Ursprungsbezeichnungs-Status zu schützen. Der Antrag wurde zwar nicht genehmigt, dennoch bleibt das Gericht bis heute Großbritanniens beliebtestes Curry und wird sogar in Sandwichform gegessen. Die Frage bleibt jedoch: Ist Chicken Tikka Masala nun ein indisches oder britisches Gericht? Egal, wofür man sich entscheidet, es ist auf jeden Fall köstlich! 

Chicken Tikka Sandwich

Chicken Tikka Sandwich

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Coconut Curry

Kokosnüsse und Kokosmilch sind typisch für die Küche der tropischen Gegenden in Südindien. Da die Kokosnuss an der heißen Küste von Goa angebaut und leicht erhältlich ist, ist sie neben einer großen Menge an Meeresfrüchten, tropischen Früchten und Chilis eine der Hauptkomponenten der regionalen Küche.  Jedes ihrer Bestandteile (vom geriebenen Fruchtfleisch, der Milch bis zum Kokoswasser) findet seinen Weg in zahlreiche Gerichte.  

Durch vergangene Invasionen der Portugiesen und des Mogulreichs und dem Bevölkerungszustrom der Hindus wächst die Vielfalt der Gerichte dieser Region immer weiter. Mit diesem Rezept für Kokoscurry kannst du dir den Geschmack Südindiens nach Hause holen – es ist süß, cremig und dennoch herzhaft und gut gewürzt. 

Cremiges indisches Curry mit Hähnchenbrust

Cremiges indisches Curry mit Hähnchenbrust

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