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Mary-Linh Tran

Junior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

Dieser Artikel ist Teil unserer Monatsausgabe “#ThrowbackNovember”, in der wir verschiedene Aspekte unserer Kindheitserinnerungen durch die Brille des Essens betrachten. Auf Basis dieser Erinnerungen haben wir neue, spannende Gerichte für euch vorbereitet und mit unserem Team einen Haufen unterhaltsamer Videos produziert, die ihr schauen, teilen und mit euren eigenen nostalgischen Anekdoten kommentieren könnt. Für eine Übersicht über alle unsere wöchentlichen Themen, Artikel, Rezepte und mehr, schaut hier nach.

Als Kind der 90er aufzuwachsen bedeutete für mich schimmernden Lipgloss, essbaren Zuckerschmuck und glitzernde Haarspangen in Schmetterlingsform. Das war vor dem neuen Jahrtausend, in einem Jahrzehnt der bizarrsten Geschmacks- und Modetrends, die uns das Gefühl einer modernen, futuristischen neuen Zeit geben sollten. Darunter waren auch ein Haufen an Kinder gerichteter Produkte, die meinen Geschmack sehr stark beeinflusst haben. Nichts machte mich damals glücklicher als neonfarbene Cornflakes, Selbstmach-Kits wie Lunchables, Dino-Nuggets, Mikrowellen-Ramen und fragwürdige Kekse aus einem Miniaturofen, die gerade so warm wurden, dass mein siebenjäriges ich glaubte, sie wären tatsächlich gebacken.

Es wirkt fast schon trivial unsere Essensgewohnheiten als Kinder mit unseren heutigen zu vergleichen. Kinder sind berüchtigt für ihren wählerischen Geschmack beim Essen und vielleicht sind Kinder von Immigranten, wie ich selbst, besonders aufsässig gegenüber dem, was ihre Eltern ihnen auftischen. Denn es erinnerte selten an das, was man in der Schulkantine, in Einkaufszentren oder bei Freunden zuhause sah. Als Kleinkind bin ich mit Gebrüll aus chinesischen Restaurants gerannt, wenn Gerichte in brutzelnden Tontöpfen aus der Küche kamen. Die wählerische Art meiner Geschwister und mir trieb meine Eltern dazu, dass immer wenn sie einen Weg fanden aus etwas, das sie mochten etwas zu machen, das wir auch aßen, sie es wieder und wieder variierten – selbst wenn es das Rezept verwässert hat. Praktisch bedeutete das: getrennte Schüsseln mit Phở und getrennte Stapel Sommerrollen für uns Kinder, denn wir mochten weder das zitrusartige Aroma von Koriander, noch die feste Konsistenz von getrockneten Garnelen.

Würde ich sagen, dass meine Eltern schlechte Köche waren? Auf jeden Fall, aber nur weil sie in mühsamer Kleinarbeit alle Zutaten, die vietnamesisches Essen so lecker machen, herausgefischt haben, um eine Horde wählerischer Kinder zu besänftigen – ein Akt, den ich heute als bedingungslose Liebe anerkenne. Dank ihnen weiß ich jetzt, dass vietnamesisches Essen nie auf seine Grundzutaten vereinfacht werden sollte. Bún riêu ist nur eine traurige Tomatensuppe ohne fermentierte Garnelenpaste. Bánh Mi ohne eingelegte Karotten und Rettich? Vergiss es. Und fangt mir gar nicht erst mit Cơm Tấm ohne die fein gehackte Schweinehaut an. Bis auf das letzte Gericht kann ich heutzutage zum Glück vietnamesisches Essen mit all seinen kuriosen und fantastischen Geschmäckern gemeinsam mit meinen Eltern kochen und genießen, ein Ritual, das leider viel zu selten passiert, seit ich nach Deutschland gezogen bin.

Die Küchen unserer Eltern sind der erste Ort, an dem wir mit Essen in Kontakt kommen und für viele von uns waren es auch Orte der Stärkung und der Liebe. Abend für Abend, selbst wenn wir geschrien und geheult haben, weil uns die Schwammigkeit von Pilzen oder der “Gestank” von etwas irritierte. Im Video dieser Woche enthüllen einige unserer Teammitglieder die Tricks, die ihre Eltern aus dem Ärmel gezaubert haben, damit sie ihr Grünzeug und Gemüse essen – und all die anderen Dinge vor denen kleine Kinder häufig zurückschrecken.

#ThrowbackNovember: Woche 3

  • 05:27 Min.
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Wie haben deine Eltern dich dazu gebracht Sachen zu essen, die du als Kind nicht mochtest? Erzähl uns davon in den Kommentaren – wir freuen uns schon drauf sie zu lesen!

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