Pausenbrote auf der ganzen Welt

Pausenbrote auf der ganzen Welt

Über all das, was wir in unseren Lunchboxen hatten.

Andreas Strauch

Andreas Strauch

Community Mitglied

Dieser Artikel ist Teil unserer Monatsausgabe “#ThrowbackNovember”, in der wir verschiedene Aspekte unserer Kindheitserinnerungen durch die Brille des Essens betrachten. Auf Basis dieser Erinnerungen haben wir neue, spannende Gerichte für euch vorbereitet und mit unserem Team einen Haufen unterhaltsamer Videos produziert, die ihr schauen, teilen und mit euren eigenen nostalgischen Anekdoten kommentieren könnt. Für eine Übersicht über alle unsere wöchentlichen Themen, Artikel, Rezepte und mehr, schaut hier nach.

Als Kind im Deutschland der 90er und frühen 2000er aufzuwachsen bedeutete, dass man so etwas wie Schulessen eher aus amerikanischen Fernsehserien, als aus der Realität kannte. Denn meistens war die Schule bei uns um 13, spätestens 14 Uhr rum und so etwas wie eine Cafeteria mit warmem Essen war in den meisten Schulen noch Fehlanzeige. Daher nannte sich unsere Lunchbox auch einfach Brotdose oder Pausenbrot und der namensgebende Inhalt wurde schon vormittags vertilgt. Und ich fragte mich immer wieder, wie ich trotz morgendlichem Frühstück schon um 10 Uhr wieder Hunger haben konnte. Unterschiede gab es natürlich trotzdem: Vom gesunden Vollkornbrot und Rohkost über Nutellasandwiches bis hin zu Lunchables und anderen Fertigsnacks war bei meinen Mitschüler*innen und mir alles dabei.
Für unsere monatliche Ausgabe Throwback November habe ich einige meiner Kolleg*innen aus aller Welt gefragt was ihre tollsten und schlimmsten Erinnerungen an Schulessen sind. Sie haben mir erzählt, warum der Gruppenzwang häufig über den eigenen Geschmack gesiegt hat und mit welchen Snacks man in der Pause der/die König*in war.

Andreas, Lisa & May (Deutschland)

Für uns Kinder in Deutschland hat Schulessen meisten eins bedeutet: Brot. Noch mehr Brot. Und vielleicht mal etwas Rohkost. Sowohl meine Kollegin Lisa als auch ich erinnern uns an einen sehr ähnlichen Inhalt unserer Brotdose: dicke Käsescheiben zwischen gesundem, meistens ein bisschen zu trockenem Vollkornbrot. Gut gemeint von unseren Eltern, aber wahrscheinlich wären uns ein knuspriges Weizenbrötchen oder weiche Sandwichscheiben lieber gewesen – ganz zu schweigen von den kalten Pizzastücken und Süßigkeiten, die manch andere Kinder zum Frühstück dabei hatten. Dass man tendenziell unter dem “normalen” Käse- oder Wurstbrot gelitten hat, bedeutete aber nicht, dass man anderes Essen automatisch interessant fand. In deutschen Klassenzimmern herrschte, wie vermutlich in jeder größeren Gruppe von Kindern, eine klare Regel: Was man nicht kennt, mag man nicht.

May verband mit ihrem von den Eltern hausgemachten vietnamesischen Frühstück daher auch eher unangenehme Dinge. Banh Mi, gedämpfte Baos und Reisteigkuchen im Bananenblatt haben einige ihrer Grundschulfreundinnen als ungewohnt (sprich schlecht) riechend empfunden und so hat May ihre Mutter gebeten, ihr ab diesem Zeitpunkt nur noch Käsebrote zu schmieren. Schon absurd, wenn man darüber nachdenkt, dass genau diese ehemaligen Mitschüler*innen sie heute wahrscheinlich für ein Banh Mi oder Banh Bao in der Lunchbox beneiden würden.

Prerana (Indien)

Redaktionsassistentin Prerana ist in Indien aufgewachsen. In ihrer Schule in Mumbai war das Schulessen eine sehr gesellige Aktivität: Man kam zusammen und teilte den Inhalt seiner Lunchboxen. Das bedeutete, man konnte einen Teil seines ungeliebten Gemüses loswerden und weitere leckere Gerichte aus den anderen Boxen bekommen. Dabei gab es aber eine Grundregel: Jeder hatte mindestens die Hälfte des mitgebrachten Essens für sich selbst und egal, wie lecker das Essen eines anderen war, man durfte es nie für sich in Beschlag nehmen. Prerana erinnert sich noch daran, dass eine*r ihrer Schulfreund*innen zwei Jahre lang jeden Tag das gleiche Essen dabei hatte. Wer jetzt erwartet, dass das langweilig wurde, der irrt sich. Prerana sagt: “War es das beste Kartoffel Sabzi, das ich je hatte? JA. Aber würde ich es jeden Tag essen wollen? Auch JA.”

Devan (USA) & Ruby (Australien)

Redaktionsmanagerin Devan erzählt: “Ich konnte es als Kind nicht besonders wertschätzen, aber heute sehne ich mich manchmal nach der liebevollen Geste meiner Mutter: Sie hat mir jeden Morgen die Kruste meiner Sandwiches abgeschnitten und mir eine frische Lunchbox gepackt – im Berufsleben bleibt für sowas häufig keine Zeit.”
Obwohl zwischen ihrem Heimatort und dem von Ruby mehr als 10.000 km liegen, waren ihre Schulessen sehr ähnlich: Sandwiches und belegte Bagel waren die Norm.

In Australien, Rubys Heimat, blieb man im Klassenraum, bis man aufgegessen hatte. Das bedeutete aber auch, dass man unter ständiger Beobachtung seiner Klassenkamerad*innen war. “Ich hatte das Gefühl, meine Vollkorn-Sandwiches und den in braunes Backpapier (warum nicht einfach Frischhaltefolie?) eingewickelten Karottenkuchen verbergen zu müssen, sahen sie doch viel zu hausgemacht aus und nicht so akkurat wie das Essen der anderen.”, sagt Ruby. Sie ging so weit zu behaupten, sie hätte ihr Essen zu Hause vergessen, nur um zu vermeiden, ihr Brot mit Eiersalat öffentlich essen zu müssen. Aber Ruby wusste sich zu helfen: “Ich hab einfach eine als Königin der industriellen Snacks bekannte Klassenkameradin nach Essen angebettelt, so ähnlich wie ich es heutzutage in der Testküche mache. Leider bekam ich aber keine Junk Food-Snacks von ihr, nur ein langweiliges Sandwich – wirklich bemitleidenswert.”

Océane & Sophie (Frankreich)

Unsere Projektmanagerin Océane und Praktikantin Sophie haben mir beide von ähnlichen Zuständen in französischen Schulen berichtet: Es gab ein großes, mehr oder weniger schlechtes Mittagsbüffet in der Cafeteria, das von den meisten Schülern genutzt wurde, es sei denn man konnte in der Mittagspause schnell nach Hause oder hatte Geld, um auswärts zu essen. Beide erzählen von bestimmten Gerichten, auf die sich alle stürzten, die aber unterschiedlicher nicht sein könnten. In Sophies Schule gab es richtige Kämpfe um das Brot, denn das war zwischen eher gewöhnungsbedürftigen Gerichten noch das Beste. Bei Océane in der Oberschule wurde irgendwann – zur Entrüstung der Eltern – eine Station mit All-you-can-eat Pommes Frites eingeführt. Das Fett- und Kohlenhydratproblem erledigte sich aber ganz von selbst: Innerhalb weniger Wochen erhöhten Pommeskonsums entwickelten sie sich vom Lieblingsessen zum absoluten No-Go und wer sich welche auf den Teller lud, wurde von allen kritisch beäugt. Und, seien wir ehrlich: Schräge Blicke in der Kantine waren das letzte, was man wollte.

Keke, Xueci & Yijun (China)

In der Schulkantine von Designerin Keke bekam man einen Edelstahlteller mit 4 Unterteilungen, die man nach Belieben mit verschiedenen Gerichten füllen konnte. Eines der Gerichte stach heraus, es hieß “kämpfende Bären” und war die wertvollste Währung in der Kantine. “Es war sogar noch ein bisschen wertvoller als der neueste Klatsch, den man in der Mittagspause nach den morgendlichen Schulstunden endlich austauschen konnte”, erzählt sie. Wie das Gericht zu seinem drolligen Namen kam, ist leider nicht überliefert. Dahinter verbergen sich nur relativ normale Hähnchenschnitzel. Trotzdem (oder gerade deswegen) war es eines der Gerichte, für die man so pünktlich wie möglich aus dem Klassenraum in Richtung Kantine gesprintet ist. Fleisch ging nämlich immer schnell aus.

Frittiertes Hähnchen war auch in Yijuns Schule sehr beliebt, neben den Spezialitäten wie Mondkuchen, mit denen man gemeinsam saisonale Ereignisse feierte. Nebenbei hielt sich auch hartnäckig der Mythos, dass das Essen in der Cafeteria mittwochs am besten schmeckt. Das nutzte häufig aber nichts, denn aus irgendeinem Grund wurde in der Kantine besonders gerne mit grüner Paprika gekocht, dem Gemüse, das sie am wenigsten leiden konnte.

Redakteurin Xueci ging als Kind auf ein Internat und hatte daher eine etwas andere Erfahrung: “Zum Frühstück kam ein Lehrer mit einem Haufen beschrifteter Beutel in die Kantine und jedes Kind bekam ein Care-Paket von Zuhause mit Eiweißpulver und hausgemachtem Chili-Öl, die wir in unsere morgendliche Reissuppe einrühren sollten.” Die Eltern wollten sicherstellen, dass ihre Kinder groß und stark werden – aber sicher auch, dass sie etwas essen, das sie an zuhause erinnert.

Was sind deine Erinnerungen an das Essen in der Schule? Mit welchem Essen war man der/die König*in der Pause? Lass uns in den Kommentaren auch in deinen Erinnerungen schwelgen!

Verfasst am 25. November 2020

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