Wieso bekommen wir Hirnfrost?

Alexandra

Kontributorin

Im Sommer bekommen wir gar nicht genug von kalten Erfrischungen wie Ananas-Pfirsich-Slushies und Himbeer-Gin-Tonic-Eis-am-Stiel oder – besonders dekadent – Eistorten! Aber zu schnell verspeist, bringen die kühlen Köstlichkeiten vor allem eines mit sich: Hirnfrost. Was hat es damit auf sich? Wieso können kalte Speisen einen stechenden Kopfschmerz auslösen und uns den Genuss unseres Eisbechers vermiesen?

Hattest du überhaupt schon einmal Hirnfrost? Was sind deine Tipps, um ihn zu vermeiden? Verrate es uns in den Kommentaren!

Wieso bekommen wir Hirnfrost?

Hirnfrost, Kältekopfschmerz oder der englische Fachbegriff "sphenopalatine ganglioneuralgia" ist eine Reaktion des Körpers, die hervorgerufen wird, wenn etwas Kaltes deinen warmen Gaumen berührt. Die Kälte verursacht ein ruckartiges Verengen und Anschwellen der Blugefäße im Gehirn. Dieser kurze, stechende Schmerz ist ein Schutzmachanismus deines Körpers, um Mund und Kopf vor zu großen Temperaturunterschieden zu schützen. Der Schmerz soll dich also dazu bringen, langsamer zu essen oder sogar aufzuhören, zu kalte Lebensmittel zu dir zu nehmen.

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Stell dir folgende Alltagssituation vor: An einem heißen Sommertag stürzt du ein Glas mit eiskaltem Wasser hinunter. Das kalte Wasser berührt deinen Gaumen und deinen Rachen sehr plötzlich und verändert so ruckartig die Temperatur zweier Hauptblutgefäße, die direkt zum Gehirn führen. Diese beiden Blutgefäße sind die innere Halsschlagader (Carotis interna) und die hintere Hirnarterie (Arteria cerebri anterior), der Hirnfrost versetzt beiden einen Kälteschock, wodurch sie sich sofort verengen.

Um die beiden Arterien aufzuwärmen und in ihre normale Funktionsweise zurückzuversetzen, versorgt das Gehirn sie mit Blut, um sie wieder zu weiten. Das schnelle Verengen und Weiten schaltet unsere Schmerzrezeptoren aus und wir spüren einen stechenden Kältekopfschmerz.

Während das Gehirn selbst keinen Schmerz empfindet, entsteht der Schmerz an der äußeren Hinhaut (auch Meningen genannt). Zwar setzen die Schmerzrezeptoren am unteren Teil deines Kopfes aus, du spürst den einige Sekunden andauernden, stechenden Schmerz aber wahrscheinlich im vorderen Teil des Kopfes, an der Stirn und direkt hinter deinen Augen.

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Was passiert bei heißen Getränken?

Der Mund ist sehr sensibel, denn dort befinden sich unendlich viele Nerven und Geschmacksknospen. Das bedeutet, dass jede extreme Veränderung (sowohl durch Temperatur als auch Schärfe) das Gehirn zu einer Schmerzreaktion zwingt. Es entsteht jedoch kein vergleichbarer Kopfschmerz, wenn wir heiße Getränke zu uns nehmen – wir alle kennen wohl den Verbrennungsschmerz auf der Zunge und am Gaumen, wenn wir zu heißen Kaffee oder Tee trinken.

Im Normalfall spucken wir Getränke oder Speisen also sofort wieder aus, wenn sie zu heiß für unseren Körper sind. Dieser physische Verbrennungsschmerz reicht aus, um uns zum Aufhören zu zwingen. Kalte Lebensmitteln und Getränke hingegen lösen normalerweise keinen so starken, zu lokalisierenden Schmerz aus.

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Mögliche Vorteile

Wissenschaftler nutzen die Reaktion des Hirnfrosts, um andere neurologische Gegebenheiten und Typen von Kopfschmerzen, wie zum Beispiel Migräne, zu erforschen. Es wird untersucht, ob Menschen, die unter Migräne leiden, anfälliger für Kältekopfschmerzen sind als andere. Ärzte führen Hirnfrost bei ihren Patienten herbei, um die Ursachen einer Migräne besser zu verstehen und neue Behandlungsmethoden entwickeln zu können.

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Was kannst du gegen Kältekopfschmerzen tun?

Ein Heilmittel gegen Hirnfrost? Das ist fast zu einfach: Hör auf, das kalte Lebensmittel oder Getränk zu dir zu nehmen.

Deinen Gaumen mit der Zunge wieder aufzuwärmen oder an einem warmen Getränk zu nippen, kann ebenfalls dabei helfen, deinen Mund zurück auf seine normale Temperatur zu bringen. So unterbrichst du das Verengen der Arterien und stoppst somit den Kopfschmerz.

Denk immer daran, dass Hirnfrost nur entsteht, wenn etwas Kaltes zu schnell gegessen oder getrunken wird. Genieße deinen Eisbecher also in normaler Geschwindigkeit und gib deinem Gaumen und Rachen die Chance, sich zu akklimatisieren und sich an die Kälte zu gewöhnen. Wenn du auf Nummer Sicher gehen willst, lass kalte Lebensmittel zunächst im vorderen Teil deines Mundes – so brauchst du dir überhaupt keine Gedanken mehr über Hirnfrost zu machen.