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Julia Stephan

Senior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

Für manche Menschen sind Röstzwiebeln einfach nur ein nettes Topping, das man sich beim IKEA-Besuch auf dem Hot Dog gönnt. Für mich sind Röstzwiebeln jedoch knusprige Erinnerungen an besondere Momente. Eine dieser Erinnerungen spielt sich in meiner Kindheit ab, als ich dachte, es wäre eine gute Idee, meine beiden damaligen Lieblingssnacks zu vereinen – Soft Cake mit Röstzwiebeln.

Sagen wir es so: Es war das erste und letzte Mal, dass ich in den Genuss dieser außergewöhnlichen Kombination kam, denn mein Magen sollte daraufhin die ganze Nacht protestieren. Jahre später erinnerte sich meine Großmutter noch an diesen Moment, als sie mir eine 1 kg Packung Röstzwiebeln zu Weihnachten schenkte. Seitdem ich mich vegan ernähre, weiß sie vor lauter Milchzucker und anderer Inhaltsstoffe nicht mehr, welche Schokoladensorte ich überhaupt noch essen kann. “Aber Röstzwiebeln, die mochtest du doch immer!”. Recht hat sie – wie so oft. Meine Großpackung Röstzwiebeln neigt sich jedoch langsam dem Ende zu und so kam mir die Überlegung: Kann man Röstzwiebeln eigentlich auch selber machen – und lohnt es sich? Es wird Zeit für den Test in der Küche!

Wie macht man Röstzwiebeln selbst?

Wie der Name verrät, sind Röstzwiebeln geröstete Zwiebeln – so einfach ist das? Ist es aber gar nicht. In diversen Kochbüchern und im Internet bin ich auf zahlreiche Rezepte gestoßen, die durchaus große Unterschiede aufweisen. Sie alle versprechen jedoch super knusprige Röstzwiebeln. Da hilft nur eins: alle Zubereitungsmethoden austesten und nach Aufwand und Ergebnis bewerten.

Für diesen Prozess war ich bereit, über meine Grenzen zu gehen. 15 große Gemüsezwiebeln warteten darauf, von mir geschält und geschnitten zu werden. Man mag es glauben oder nicht, aber nicht eine Träne floss bei diesem Vorhaben. Vielleicht waren die Zwiebeln vergleichsweise mild, aber für den Fall, dass ihr weinen müsst, ist das “Röstzwiebel-Projekt” auch eine gute Möglichkeit, alle Tipps gegen das Weinen beim Zwiebelschneiden auszutesten. Von Wasser im Mund, im Schneiden sitzen bis hin zu Zwiebel vorher in kaltes Wasser legen oder eine Schutzbrille tragen. Du hast auch einen ultimativen Geheimtrick? Verrate ihn uns doch direkt in den Kommentaren!

Braten und backen

Warum sich entscheiden, wenn man ein bisschen von allem probieren kann. Bei der “Braten und backen”-Methode werden die geschnittenen Zwiebeln erst in einer Pfanne angeschwitzt, mit Mehl bestäubt, dann goldbraun gebraten und anschließend im Ofen knusprig gebacken. Das Braten funktioniert mit einem neutralen Öl besonders gut, wer lieber Butter verwenden möchte, sorgt jedoch für noch mehr Geschmack. Diese Methode ist im Vergleich die längste und nicht die optimale Wahl für ungeduldige Menschen.

So geht’s:
1. Gemüsezwiebeln in dünne Scheiben oder Ringe schneiden und anschließend in die einzelnen Schichten trennen.
2. Etwas Pflanzenöl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebelringe darin anschwitzen, bis sie glasig sind. Mit Mehl bestäuben, vermengen und weiter anbraten, bis die Zwiebeln goldbraun sind.
3. Die Zwiebeln auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und bei 85°C ca. 90 Minuten rösten, oder bis sie knusprig und tief gebräunt sind. Dabei regelmäßig auf dem Backblech wenden.

Im Backofen

Wer nach einer sehr unkomplizierten Lösung für hausgemachte Röstzwiebeln sucht, sollte sie einfach in den Backofen werfen. Das ist auch die Variante mit dem wenigsten Fett, so dass ihr hier Kalorien sparen könntet – aber wer will schon “Röstzwiebeln light” essen? Damit sie knusprig werden, sollten die geschnittenen Zwiebeln vorher jedoch in etwas Mehl und Panko gewendet werden. Panko ist eine Art gröbere Semmelbrösel, die man in asiatischen Supermärkten findet. Sie haben mehr Textur als Paniermehl, so dass mehr knusprige Stellen entstehen. Bei dieser Methode ist jedoch Schnelligkeit gefragt, denn die geschnittenen Zwiebeln sollten nicht zu lang in der gesalzenen Mehlmischung liegen, da sie sonst zu weich werden.

So geht’s:
1. Gemüsezwiebeln in dünne Scheiben oder Ringe schneiden und in die einzelnen Schichten trennen. In eine Schüssel geben und mit Mehl, Panko und Salz vermengen.
2. Die Zwiebeln auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und mit Olivenöl beträufeln.
3. Bei 230°C ca. 20 Minuten backen, oder bis sie goldbraun sind. Dabei regelmäßig auf dem Backblech wenden.

Frittieren

Diese Herangehensweise leuchtet wahrscheinlich jedem ein: ausgebacken in Fett können Zwiebeln nicht anders, als sich in knusprige kleine Röstzwiebeln zu verwandeln, oder? Viele Menschen vermeiden jedoch gern das Frittieren zu Hause – was passiert mit dem restlichen Öl, wie heiß muss Öl sein, welchen Topf brauche ich dafür? Hier ist eine entspannte Variante für zu Hause: Nimm eine tiefere Pfanne und fülle sie ca. 2 – 3 Zentimeter hoch mit Öl. Das Öl sollte ca. 180°C heiß sein – zum Test kannst du das Ende eines Holzspießes ins Öl halten. Bilden sich Blasen um den Holzspieß, ist das Fett heiß genug. Darin kannst du die geschnittenen Zwiebeln portionsweise frittieren. Das Öl kannst du anschließend filtern und wiederverwenden.

So geht’s:
1. Gemüsezwiebeln in dünne Scheiben oder Ringe schneiden und in eine Schüssel geben. Mit etwas Salz würzen und kurz einmassieren, damit die Zwiebeln etwas weicher werden. Kräftig ausdrücken.
2. Ausreichend Pflanzenöl in einer tiefen Pfanne oder einem Topf erhitzen und die geschnittenen Zwiebeln portionsweise goldbraun frittieren.
3. Danach kurz auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Kochen und Frittieren

Ein interessanter Test war das verfeinerte Frittieren, bei dem die Zwiebeln vorher kurz in heißem Wasser ziehen. Der Zweck dahinter ist ein ähnlicher wie beim Massieren der Zwiebeln, daher ist diese Technik eher ratsam für alle, die ihre Röstzwiebeln frittieren möchten, aber nicht unbedingt Lust auf zu viel Körperkontakt zur rohen Zwiebel haben. Zudem ist gründliches Arbeiten geboten – die Zwiebeln sollten vor dem Frittieren wirklich gründlich getrocknet werden, damit kein Wasser ins heiße Fett gerät.

So geht's:
1. Gemüsezwiebeln in dünne Scheiben oder Ringe schneiden und in die einzelnen Schichten trennen.
2. Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen. Die geschnittenen Zwiebeln hineingeben und ca. 3 – 4 Minuten bei geschlossenem Deckel köcheln. Anschließend abgießen und gründlich trocken tupfen.
3. Ausreichend Pflanzenöl in einer tiefen Pfanne oder einem Topf erhitzen und die Zwiebelringe portionsweise goldbraun frittieren.
4. Danach kurz auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Selbstgemachte Röstzwiebeln – lohnt es sich?

Es ist definitiv bequemer, sogar oft günstiger und schlicht gelingsicherer, eine Packung Röstzwiebeln zu kaufen. Aber natürlich hat es auch seinen Reiz, die eigenen kleinen knusprigen Stückchen voller Stolz zu genießen. Ich lasse mir außerdem keine Gelegenheit zum Frittieren entgehen, weshalb Methode 3, das einfache Frittieren, für mich auch die perfekte Zubereitung ist. Sie ist unkompliziert, schnell, und das Ergebnis sind knusprige, dunkle Röstzwiebeln. Luftdicht verpackt halten sie sich im Kühlschrank übrigens ca. 1 – 3 Wochen. Das Braten und Backen lohnt sich meiner Meinung nach zeitlich nicht unbedingt, weil das Ergebnis nicht besser als bei schnelleren Methoden ist. Die Röstzwiebeln in der Mehl-Panko-Mischung wurden nicht durch und durch knusprig, sondern waren an einigen Stellen noch etwas weich, was ich mir aber durchaus auch als gutes Topping für diverse Gerichte vorstellen kann.

Was tun mit den Röstzwiebeln?

Ganz klar: Softcake mit Röstzwiebeln essen. Ich weiß meine Kollegin Kristin bisher schon zu schätzen, aber beim Fotoshoot für diesen Artikel hat sie das Unglaubliche getan: Sie hat es probiert. Meinen kindlichen Fingerfood-Wahnsinn. Leider rät sie von der Kombination eher ab, mein kindlicher Geschmack war anscheinend nicht all zu anspruchsvoll.

Mittlerweile genieße ich Röstzwiebeln eben einfach mit anderen, vor allem mit herzhaften Gerichten. Ein Klassiker sind sie natürlich als knuspriges Hot-Dog-Topping. Auf Kartoffelpüree oder Käsespätzle sorgen sie für einen wunderbaren Crunch als Gegenstück zur sonst cremigen Konsistenz, viele kennen auch grüne Bohnen mit Röstzwiebeln aus der amerikanischen Küche. Sogar für indische Gerichte sind sie als Topping äußerst beliebt.

Käsespätzle mit knusprigen Zwiebelringen

Käsespätzle mit knusprigen Zwiebelringen

→ zum Rezept

Grüner Bohnen Auflauf

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→ zum Rezept

Bist du auch ein Fan von Röstzwiebeln? Bei welchem Gericht dürfen sie deiner Meinung nach nicht fehlen?

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