Sandra

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Kontributorin

Beim Gedanken an ein heiß dampfendes Chili con Carne läuft mir unweigerlich das Wasser im Mund zusammen und eine wohlige Wärme macht sich breit. „Chili mit Fleisch“ – so einfach ist die Übersetzung aus dem Spanischen, doch um den Ursprung des populären Eintopfs ranken sich zahlreiche Mythen und wilde Geschichten. Auch die US-Bundesstaaten Texas, New Mexico und Arizona debattieren bis heute fleißig darüber, wo Chili con Carne denn nun erfunden wurde.

Wir gehen heute auf die Suche nach dem Originalrezept des Eintopfs und verraten dir, wie du Schritt für Schritt das perfekte Chili con Carne kochst und welche Fehler du dabei vermeiden solltest.

Chili con Carne – Das Originalrezept

Viele Menschen denken, dass Chili con Carne ein mexikanisches Gericht wäre, doch unsere Reise führt uns nach Texas.

Im 19. Jahrhundert waren es vor allem Abenteurer und Cowboys, die das Gericht als wärmende Quelle am Lagerfeuer teilten. Getrocknetes Rindfleisch, Chilis, ein paar Gewürze und ein bisschen Fett passten immer in die Satteltaschen und waren billige, gut haltbare Zutaten. Letzteres machte das Gericht auch zu einem festen Bestandteil der Gefängnisnahrung und später zur Mannschaftsversorgung der Armee-Truppen in den zahlreichen Schlachten.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs in den USA gab es dann kein Halten mehr für den Massenerfolg des Feuertopfs. Den bescherten ihm vor allem die Chili Queens, die die Marktplätze von San Antonio in Texas säumten. Das texanische Originalrezept ist eine simple Angelegenheit aus Rindfleisch, getrockneten Chilis, Brühe und ganz, ganz, ganz viel Zeit. Wenig Zutaten zwar, diese allerdings mit Bedacht ausgewählt und zubereitet – genau darauf kommt es an. Schauen wir uns also die einzelnen Bestandteile für dein perfektes Chili genauer an.

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Chili con Carne kochen – Schritt für Schritt

Die richtige Schote

Idealerweise sollte die Chilinote des Fleischeintopfs aus einer guten Mischung der vier unterschiedlichen Chili-Geschmacksrichtungen zusammengesetzt sein. Da wären die süßen, frischen Chilis wie etwa die New Mexico Sorte Anaheim, die scharfen Tränenbringer wie Pequin oder Arbol, geräucherte Sorten wie Chipotles und Arten mit besonderen oft fruchtigen Aromen beispielsweise die an Pflaumen und Tabak erinnernden Anchos.

Je nach Schärfeempfinden und Vorlieben, kann hier ein jeder Chililiebhaber seine persönliche Balance finden. Eine gute Auswahl an getrockneten Chilis gibt es im Latino-Laden oder online. Im Blitzhacker oder im Mörser lassen sich die Schoten ganz gut zermahlen – super fein muss das Pulver auch gar nicht sein, denn beim langen Kochen lösen sich die Fruchtfasern von alleine auf. Im Originalrezept aus Texas werden die getrockneten Schoten sogar im Ganzen mit dem Fleisch und der kräftigen Rinderbrühe weich gekocht.

Das passende Fleisch

Das zweite wichtige Element eines jeden Chilis ist der „carne“-Teil. Originalgetreu kommt Rind in den Topf – gut geeignet für das langsam geköchelte Gericht sind durchwachsene Stücke wie Nacken, Schulter, Ober- und Unterschale. Diese werden in große Würfel geschnitten und scharf angebraten bevor sie für einige Stunden im Topf mit den übrigen Zutaten vereint werden. Außerhalb von Dallas, Phoenix und Albuquerque haben viele Köche Hand an das Originalrezept angelegt, es erweitert, vereinfacht und verändert. Neben Rezepten mit Rind gibt es heute fast alle Fleisch-Varianten von Schwein und Pute über Reh und Wildschwein bis zum Kaninchen.

Außerdem verwenden viele Menschen lieber Hackfleisch als große Stücke, da sich die Zubereitungszeit dadurch stark verkürzt. Dabei solltest du jedoch beachten, kein mageres Fleisch zu verwenden.

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Von Gemüse und Gewürzen bis zu Geheimzutaten

Neben Fleisch und Chili gibt es ganz viel Freiheit. Denn das Tolle am Chili ist am Ende doch, dass es jeder genauso machen kann wie er es am liebsten mag: scharf, mild, mit oder ohne Bohnen, mit zusätzlichem Gemüse und Gewürzen nach Wahl. Für mich sind Bohnen ein absolutes Muss, genauso wie Zwiebeln und Knoblauch als Aromaten. Nach Geschmack kannst du aber auch Mais, geraspelte Karotte oder sogar getrocknete Tomaten dazugeben.

In Sachen Gewürzen kannst du getrockneten Oregano, Rosmarin und Thymian, sowie Lorbeerblätter und Kreuzkümmel verwenden – auch hier ist alles erlaubt was schmeckt. Ich persönlich liebe es simpel und verwende neben Kreuzkümmel nur schwarze Bohnen, die ich fix und fertig aus der Dose gut abgebraust und abgetropft in den Topf gebe.

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Fertig gemischte Gewürzpulver sind natürlich verlockend, aber wer sein Chili liebt, mischt am besten selbst. So kompliziert ist es auch nicht: Ein paar getrocknete Chilis verschiedener Geschmacksrichtungen, gutes Paprikapulver (gern auch geräuchert) und einen Teelöffel Kreuzkümmelsamen in der warmen Pfanne vorrösten, damit sie ihr Aroma entfalten und anschließend mörsern oder im Zerkleinerer mahlen.

Genauso viel wie über das beste Rezept gestritten wird, werden auch Geheimzutaten diskutiert. Einige Köche verwenden Rotwein oder Sherry, wodurch das Fleisch besonders schön mürbe wird. Beliebt sind auch Kaffee und Schokolade. Kaffee habe ich selbst noch nicht ausprobiert, aber ein Stück dunkle Schokolade wandert schon öfter mal in meinen Chili-Topf. Durchwachsener Speck kann ebenfalls klein geschnitten mit dem Fleisch angebraten werden.

Mit oder ohne Toppings?

Der echte Chili-Fan braucht nicht mehr als einen Löffel zu seiner dampfenden Schüssel. Du kannst jedoch auch einen Klecks saure Sahne oder Joghurt, frisch gehackten Koriander, geriebenen Cheddar, Frühlingszwiebelringe, Avocado oder Tortilla Chips als Topping versuchen oder das Chili mit Reis als Beilage servieren.

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Und so geht’s:

Ein Chili ist keine schnelle Angelegenheit. Zeit ist die Zauberzutat schlechthin, die alles zusammenbringt: Langsam geköchelt, dabei mehrfach liebevoll umgerührt, gekostet und wenn irgend möglich sogar über Nacht ruhen gelassen wird’s was mit dem Super-Chili. Wie für andere langsam gegarte Gerichte eignet sich auch für Chili con Carne am besten ein schwerer Schmortopf oder eine entsprechende Pfanne mit Deckel, in der Größe angepasst an die Mannschaft die bekocht werden soll. Hier ist mein persönliches Lieblingsrezept für Chili con Carne:

1) Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein würfeln. Eine großzügige Portion Olivenöl und das Fleisch der Wahl in den Topf geben. Wichtig ist, dass das Fleisch kräftig angebraten und gebräunt wird. Bei einer sehr großen Menge kann es deshalb notwendig sein, das Fleisch in Portionen anzubraten.

2) Sobald das Fleisch gut gebräunt ist, Zwiebeln und Knoblauch in den Topf geben und anbraten. Jetzt ist es auch Zeit für die Chilis: Die gemahlene Chili-Mischung über das Fleisch streuen und kurz mit anbraten.

3) Nun folgen Bohnen und je nach Geschmack weiteres Gemüse und andere Gewürze. Das Ganze wird nun mit Tomaten Passata oder stückige Tomaten aus der Dose und kräftiger Fleischbrühe im Verhältnis 2:1 aufgefüllt, so dass Bohnen und Fleisch gut bedeckt sind. Zu guter Letzt eine Prise Salz in den Topf geben, de n Deckel leicht schräg aufsetzen und die Temperatur herunter drehen. Das Ganze so eine Stunde gemütlich vor sich hin köcheln lassen und dabei gelegentlich umrühren.

4) Fertig ist das Chili, wenn die Flüssigkeit gut eingekocht und angedickt ist. Einige aufgeplatzte Bohnen sind ebenfalls ein gutes Zeichen. Den Topf am Ende der Kochzeit vom Herd nehmen und 20 Minuten ruhen lassen, bevor es mit Topping nach Geschmack serviert wird.

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Chili sin Carne: vegetarisches Chili con Carne kochen

Natürlich wollen auch Vegetarier und Veganer nicht auf das One-Pot-Rezept verzichten und wurden erfinderisch. Als tierischer Ersatz eignen sich neben Sojagranulat, rote, braune und grüne Linsen, zerbröselter Seitan, Süßkartoffeln, Quinoa oder einfach extra viel Gemüse im Ausgangsrezept. Eine leckere Version mit braunen Linsen ganz ohne Fleisch findest du hier:

Chili sin Carne

Chili sin Carne

→ zum Rezept

Grundsätzlich gelten die Zubereitungstipps und -tricks auch für vegetarische Varianten. Da Gemüse anders als Fleisch Schärfe oft weniger aufnimmt, sollte mit Bedacht und in Etappen gewürzt werden. Um möglichst viel Röstaroma in den Topf zu bekommen, sollten Zwiebel, Paprika und Co. langsam und bei mittlerer Temperatur angeröstet werden, bis sie ganz viel Farbe haben. Erst dann folgen die übrigen Zutaten.

Verrate uns in den Kommentaren, wie du Chili con Carne am liebsten isst oder schicke uns dein Lieblingsrezept für Chili con Carne, oder sogar Chili sin Carne an community@kitchenstories.com.

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