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Lisa-Kristin Erdt

Junior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

Ein Wort, viele Assoziationen: Tajine steht für marokkanische Kulinarik, geschmacksintensive Gewürze und traditionelle Kochkunst. Im Prinzip handelt es sich bei der Tajine um einen Mini-Dampfgarer mit spitz zulaufendem oder kuppelförmigem Deckel, in dem gleichnamige typisch nordafrikanische Rezepte zubereitet werden. Wie du dir das besondere Küchenutensil und die kulinarische Vielfalt, die dahinter steckt, vorstellen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Topf, Gericht oder gar Gewürz? Was ist Tajine genau?

Als Tajine (Aussprache: [taˈdʒiːn]) wird so einiges bezeichnet: Das Tajine-Gewürz sowie auch nordafrikanische Gerichte, die klassisch in dem runden Schmorgefäß gegart werden, das früher aus Ton oder Lehm, heute eher aus Keramik oder Gusseisen gebrannt wird. Man erkennt den spitzen Deckel des Dampfgarers schon von Weitem. Solltest du also einmal neugierig auf den Herd blicken, um herauszufinden, was es Köstliches zu Essen gibt, bietet die einzigartige Deckelform dir den befriedigenden Hinweis. Ein Blick unter die geheimnisvolle Haube lohnt sich allemal, denn Gerichte aus der Tajine kommen mit voller Aroma- und Geschmacksintensität auf den Tisch.

Tajine-Speisen werden traditionell mit allerlei gewürzt. Besonders erdige, süßliche, fruchtige und scharfe Aromen passen zu den vielfältigen Zutaten. Um für die Zubereitung in der Tajine nicht gleich deinen ganzen Gewürzschrank plündern zu müssen, gibt es heute fertige Gewürzmischungen zu kaufen. Bestandteil sind meist Pfeffer, Kurkuma, Koriander, Schwarzkümmel, Chili und Ingwer.

Das Besondere am Tajine-Topf

Das Must-have der orientalischen Küche wurde bereits vor Jahrtausenden von den nordafrikanischen Berbern eingesetzt. Gemüse, Fisch, Fleisch und sogar Gewürze werden in der Tajine hitzeschonend langsam gedünstet oder geschmort. Ohne den Zusatz von Fett und auch so gut wie ohne Wasser werden die Speisen in der eigenen Flüssigkeit gegart und behalten somit einen intensiveren Geschmack.

Die Nährstoffe verkochen nicht, wodurch die Zutaten voller Vitamine bleiben. Zwar braucht es etwas mehr Zeit, bis Tajine-Gerichte servierbereit sind, die Zubereitung ist allerdings einfach und bedarf keinerlei Fachwissen oder Aufsicht während des Garprozesses. Das Besondere dabei: Obwohl die Tajine nur Hitze von unten ausgesetzt ist, entsteht im Inneren ein Wärmekreislauf, durch den die Zutaten gleichmäßig und energieeffizient gegart werden.

Kochen mit der Tajine

Die Beschaffung einer Tajine lohnt sich für jeden, der sich in der marokkanischen Küche mit ihrer vollen Aroma- und Geschmacksvielfalt wohlfühlt. Für gesunde und fettarme Rezepte kann es sich also schon mal rentieren, den herkömmlichen Kochtopf im Schrank zu lassen.

Zu Anfang ist beim Kochen mit der Tajine wichtig, sie vorzubehandeln. Besteht sie aus Keramik oder Ton, ist der Schmortopf porös und saugfähig. Vor der ersten Behandlung sollte sie also ein bis zwei Stunden gewässert werden. Im Anschluss kannst du ihr auf eigene Faust eine Antihaftbeschichtung verpassen, wie du sie von gebräuchlichen Pfannen kennst. Dafür musst du lediglich zum Beispiel Zwiebeln und ein paar Gewürze oder Kräuter scharf in Öl anbraten, bis sich eine dunkle Schicht am Boden absetzt. Auf diesem Weg verschließen sich die Poren des Topfes und werden durch die natürliche Bratschicht versiegelt. Diese Vorarbeit ist notwendig und für das ultimative Geschmackserlebnis mindestens genauso lohnenswert.

Gerichte werden in der Tajine immer nach derselben Art und Weise gegart: Durch die Hitzezufuhr, für die sowohl ein Gas-, ein Elektro- als auch ein Induktionsherd dienen kann, entsteht heißer Wasserdampf, der nach oben steigt. Die mit kaltem Wasser befüllte Dampfsperre an der Spitze des Deckels sorgt dafür, dass der aufsteigende Dampf kondensiert und in Form von Wassertropfen wieder auf den Boden zurück tropft. So entsteht ein Garkreislauf, in dem die Zutaten indirekt im heißen Wasserdampf gedünstet werden. Nach diesem Prinzip verteilen sich die orientalischen Gewürze besonders gut.

Tajine auf dem Ceranfeld oder Induktionsherd

Schmorgerichte werden in dem Keramiktopf im nordafrikanischen Raum traditionell auf einem Holzkohlefeuer zubereitet. Da das in den meisten Großstadtwohnungen eher weniger möglich ist, besteht die Tajine heutzutage oftmals aus Gusseisen und ist damit an die moderne Küche angepasst – durch ihren glatten Boden können sie problemlos auf normalen Kochplatten platziert werden. Vor dem Kauf solltest du allerdings auf die explizite Auszeichnung achten, die besagt, dass der Dampfgarer für einen Induktionsherd geeignet ist.

Tajine im Backofen zubereiten

Tajine aus dem Ofen erinnert an den Garprozess eines Römertopfes – keine Frage. Da Tajines aus unterschiedlichen Materialien bestehen, die nicht alle für moderne Elektroherde geeignet sind, kommt das Garen im Backofen überhaupt erst infrage. Allerdings gibt es hier einige Feinheiten zu betrachten, da die Wärmequelle nicht wie ursprünglich nur von unten kommt.

Einige der Varianten aus gebranntem Lehm vertragen keine abrupten Temperaturveränderungen. Der kalte Topf sollte also nicht in den heißen, sondern in einen nur leicht aufgeheizten Ofen gestellt werden. Danach kannst du die Temperatur schrittweise erhöhen. Da durch die Ober-/Unterhitze- und Umlufteinstellung eine gleichmäßige Verteilung der Hitze erreicht wird, kann nahezu jede Tajine im Backofen verwendet werden. 

Am einfachsten ist es für dich, wenn du dir ein Tajine-Gericht für den Ofen wählst, bei dem alle Zutaten zusammen in den Topf gegeben werden. Diese sollten alle ungefähr dieselbe Garzeit haben. So kannst du eine Temperatur von durchschnittlich 180 Grad Celsius einstellen und dich entspannt zurücklehnen. Die Garzeit kannst du ganz einfach beeinflussen: Fleisch, Kartoffeln und Karotten benötigen länger und sollten daher feiner geschnitten werden. Zucchini, Kürbis und ähnliches können in größeren Stücken in den Topf gegeben werden.

Rezepte für leckere Tajine

Du bist nun ein überzeugter Kenner der marokkanischen Küche und kannst es kaum erwarten, deine Tajine zum ersten Mal einzusetzen? Bereite die Antihaftbeschichtung deines Schmortopfes schon mal vor, dann kannst du im Nu mit dem Kochen beginnen.

Hähnchen-Tajine

Bereit für eine Reise nach Marokko? Damit deine erste Tajine-Erfahrung ein voller Erfolg wird, solltest du unser Rezept mit Hähnchen gleich ausprobieren. Am besten, du platzierst den Topf nach der Zubereitung traditionell inmitten des Tisches. So können alle Gäste beherzt zugreifen und es sich schmecken lassen – fast so, als wäre man selbst in Marokko.

Geschmortes Hähnchen mit Couscous

Geschmortes Hähnchen mit Couscous

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Lamm-Tajine

Ein frisches Tajine-Rezept, das vor orientalischen Zutaten nur so strotzt: Unsere Lamm-Tajine. Wenn Lamm, Quitte, Ingwer und aromatische Gewürze aufeinandertreffen, kann das Dinner nur gelingen.

Lamm-Tajine mit Quitten

Lamm-Tajine mit Quitten

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Tajine vegetarisch

Jegliches Gemüse kommt zusammen mit den vielfältigsten Aromen auch ohne Fleisch oder Fisch aus. Eine frische Tajine aus Fenchel, Kichererbsen und Karotten, abgerundet durch Lorbeer, Piment und Petersilie lässt Vegetarier-Herzen höher schlagen, wobei auch Fleischesser mit Sicherheit nicht wiederstehen können.

Anleitung zur Verwendung und Pflege: Wie handhabt man einen Tajine?

Der Tajine-Topf ist anfällig für chemische Reinigungsmittel. Damit die natürliche Antihaftbeschichtung bestehen bleibt, solltest du auf jegliche Spülmittel verzichten. Nimm dir einfach eine Bürste und klares warmes Wasser zur Hand und schrubbe damit vorsichtig über den Boden des Topfes. Grobe Essensreste gehören dann der Vergangenheit an, wobei die essenzielle Bodenschicht erhalten bleibt. Für eine gründliche Reinigung von Zeit zu Zeit kannst du auch Essig oder Zitrone verwenden.

Wie stehst du zur orientalischen Küche? Hast du bereits über die Anschaffung einer Tajine nachgedacht oder gar schon eine zu Hause? Erzähle uns davon in den Kommentaren!

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