Ruby Goss

Redakteurin bei Kitchen Stories

www.instagram.com/ruby.goss/

Wenn Expertise mit Quantität gemessen werden würde, wäre ich durchaus sehr qualifiziert einen Artikel über Tiramisu zu schreiben. Ich kann dir nämlich versichern, ich habe mit Sicherheit bereits mein Eigengewicht in Tiramisu gemessen verspeist – und deins wahrscheinlich auch!

Das perfekte Tiramisu ist eine ausgewogene Balance von Gegensätzen. Eier verleihen ihm die luftige Textur, die gehaltvolle Mascarpone sorgt für die Cremigkeit, gesüßt wird mit einem Hauch Puderzucker, während Kaffee und Kakao eine herbe Note ergänzen, der Alkohol rundet den Geschmack ab.

Jeder möchte ein Teil der Tiramisu-Geschichte sein. Das italienische Wort „tira-mi-su" bedeutet "Zieh mich hoch". Um nur zwei von vielen Theorien zu nennen – es soll erfunden worden sein, um frischgebackenen Müttern neue Kraft zu geben oder ist für diejenigen bestimmt, die in der Nacht zuvor zu viel getrunken haben. Die Wahrheit dieser Theorien hängt auch davon ab, welcher Version du Glauben schenken möchtest – viele schreiben das Originalrezept dem jetzt geschlossenen Café Le Becchiere in Treviso zu. Ich schließe mich am liebsten der weisen Zusammenfassung der Ereignisse des italienischen Küchenchefs Gennaro Contaldo an:

"Alle fragen sich: Wo kommt das Tiramisu her? Ich habe dazu keine Antwort. Das ganze Land diskutiert darüber: Der Süden sagt: "Ich habe es erfunden", der Norden erklärt ebenfalls: "Ich habe es erfunden", der Westen behauptet: "Ich habe es erfunden", die Toskana sagt: "Ich habe es erfunden". Eine Sache weiß ich jedoch ganz genau: Ich werde es jetzt zubereiten."

Folgen wir seinem Beispiel und beginnen mit der Zubereitung:

Wie man ein klassisches Tiramisu zubereitet: Die 7 wichtigsten Zutaten

Es mag wie ein einfach und schnell zusammengerührtes Dessert aussehen, das kein Rezept benötigt – aber diese mächtige Nachspeise erfordert einen besonders vorsichtigen Umgang. Es ist wichtig, sich einige der wichtigsten italienischen Küchenregeln zu Herzen zu nehmen. Dazu gehören die Verwendung qualitativ hochwertiger Zutaten und die Zubereitung möglichst simpel zu halten. Vermeide am besten Experimente und belasse es bei der besten – der klassischen – Variante.

Die folgenden Schritte solltest du für ein authentisches Tiramisu berücksichtigen. Es wird fast unmöglich sein, nicht die ganze Portion auf einmal zu verdrücken!

Klassisches Tiramisu

Klassisches Tiramisu

→ zum Rezept

1. Löffelbiskuits (auch bekannt als Katzenzunge oder Savoiardi)

Die Basis – und die wahrhaftigen Bausteine eines Tiramisu – sind Löffelbiskuit, die auch als Katzenzungen oder Savoiardi bekannt sind. Leicht mit Zucker bestäubt sind sie eher trocken und langweilig (Tut mir Leid, aber das stimmt!). Es scheint so als wären sie extra für Tiramisu erfunden worden, denn die Eigenschaft Flüssigkeiten wie beispielsweise den angeschwipsten Espresso aufsaugen zu können, eignet sich perfekt dafür!

Aber Vorsicht: Einer der häufigsten Tiramisu-Fehler ist es, den Löffelbiskuit zu lange einzuweichen. Das Endergebnis wird dadurch leider sehr matschig. Es ist wichtig zügig zu arbeiten. Ein leichtes kühles Kaffeebad von beiden Seiten reicht vollkommen aus, um die perfekte Konsistenz zwischen luftig und saftig zu erreichen, vollgesogener Löffelbiskuit löst sich dagegen sehr schnell auf und wird zu Brei. Du kannst selbst entscheiden wie viele Schichten es geben soll – ich bin persönlich ein Fan von “Alle guten Dinge sind Drei“ und liebe es, mich durch eine festere Schicht zur untersten und weichsten Schicht vorzuarbeiten.

2. Kaffee

Ich verwende am liebsten den Kaffee aus meiner Bialetti Espressokanne, ausgedünnt mit etwas kühlem Wasser und dem Alkohol (dazu mehr im nächsten Schritt). Du kannst auch Kaffee aus einer French Press oder Kaffeemaschine verwenden, aber ich würde dir von weniger starkem Instantkaffee für das Tiramisu abraten – du willst starken, hochwertigen Kaffee für einen intensiven Kaffeegeschmack. Denn bei der Verwendung von kräftigem Kaffee wird der Löffelbiskuit den Geschmack beim kurzen Eintauchen besonders gut annehmen. Am besten lässt du die Kaffee-Alkohol-Mischung abkühlen, damit dir der Löffelbiskuit nicht so schnell zerfällt.

3. Alkohol

Den Alkohol locker aus dem Handgelenk zu dosieren, hat für mich schon öfter bedeutet, mehr als ein Tiramisu über zu dosieren, bzw. alkoholisieren. Aber ich habe meine Lektion gelernt und empfehle nach Rezept zu dosieren, um ein weniger leicht entflammbares und „nach-Hause-fahr-freundliches“ Resultat zu erzielen. Trotzdem ist der Teil mit dem Alkohol der, bei dem du experimentieren kannst. Teste unterschiedlich aromatisierte Weine oder Liköre. Selbstverständlich kannst du auch ein alkoholfreies Tiramisu herstellen und nur den Kaffee verwenden, was – je nach Ursprungsgeschichte – die Originalversion sein soll.

Der beste Alkohol zur Herstellung von Tiramisu:

Likörwein: Die Wahl des Traditionalisten ist ein süßer, aromatischer Wein wie Marsala. Er hat einen geringeren Alkoholgehalt und eine leichte, duftende Note. Du kannst auch einen Vin Santo oder Madeira verwenden.

Hochprozentiges: Rum und alle Brandweine sind die beliebteste Wahl für alkoholreiche Desserts. Und wenn es darum geht, dem Tiramisu Tiefe zu verleihen, sind sie genau richtig. Verwende, was auch immer greifbar ist.

Likör: Um dein Tiramisu zum Hochgenuss zu machen und seinen Geschmack um eine vierte Komponente zu erweitern, verwende einen Likör wie Amaretto oder Haselnuss Frangelico und ergänze damit den Kaffee und die Schokolade. Mein persönlicher Favorit ist Sambuca, ein italienischer Likör mit Anisgeschmack. Obwohl Anis eine mutige Geschmacksvariante ist, hilft es hier, die Geschmacksdichte zu durchbrechen und eine kühle Note hinzuzufügen, ohne das ganze zu dominieren. Du kannst den Kaffeegeschmack auch durch die Verwendung von Kaffeelikören wie Kahlua verstärken.

4. Mascarpone

Mascarpone, obwohl offiziell ein Käse, ist wirklich der Inbegriff von Sahne, dessen Cremigkeit und Reichhaltigkeit ein Tiramisu ausmacht. Es ist schwer, diesen Grad an Cremigkeit durch eine andere Zutat wie Schlagsahne zu ersetzen, am ehesten kommt man ihr mit Creme Double nahe, wenn man keinen Mascarpone bekommen kann.

5. Eier

Eier sind die geheime Zutat eines Tiramisu und kein Teil wird verschwendet. Eigelb wird normalerweise mit Zucker verquirlt und dem Mascarpone hinzugefügt, dem dann steif geschlagenes Eiweiß als zusätzliche Struktur untergehoben wird. Wie immer, wenn du rohe Eier in einem Rezept verwendest, wähle die frischesten Eier, die du finden kannst. Das bedeutet normalerweise den Bauernmarkt oder – ich beneide dich – deinen eigenen Hühnerstall.

An manchen Orten kann man auch pasteurisierte Eier kaufen, von denen man annimmt, dass die Salmonellengefahr geringer ist. Wenn du es vorziehst, die Eier zu erhitzen, werden in einigen Tiramisu-Rezepten ganze Eier mit Zucker über einem heißen Wasserbad geschlagen, als ob du eine Zabaglione (einen schaumigen italienischen Eierpudding) machen würdest, und dann in einen Standmixer gegeben, um mit Mascarpone aufgeschlagen zu werden.

Wie macht man ein Tiramisu ohne Eier?

Ich weiß, das ist die eigentliche Frage, die dich beschäftigt. Ja, man kann tatsächlich ein Tiramisu ohne Eier machen, obwohl es nicht ganz so leicht und fluffig wird. Ersetze einfach jedes im Rezept angegebene Eiweiß durch eine ½ Tasse Schlagsahne. Das Eigelb weglassen, die Sahne mit dem Zucker aufschlagen und wie das Eiweiß unter den Mascarpone heben.

6. Schokolade

Ein Bestäuben mit Kakaopulver und/oder Raspeln von Zartbitterschokolade auf dem Tiramisu runden das Tiramisu ab. Wenn du dich nicht entscheiden kannst, verwende beides!

7. Zucker

Da es bereits ein so reichhaltiges Dessert ist, solltest du darauf achten, es nicht zu übersüßen. Eine kleine Menge Puderzucker kann in die Sahne geschlagen werden. Du kannst der Espressomischung auch Zucker hinzufügen, aber da die Löffelbiskuits schon mit Zucker bestäubt sind, finde ich es nicht nötig. Insbesondere wenn du einen Likör verwendest.

Wie lange muss ich vor dem Servieren warten?

Um sicherzustellen, dass dein Tiramisu schnittfest ist, sollte es vor dem Servieren mindestens 2 Stunden gekühlt werden.

Wie lange kann ich Tiramisu aufbewahren?

Laut USDA sind Gerichte mit rohem Ei innerhalb von 3 - 4 Tagen sicher zu verzehren – wenn sie gekühlt aufbewahrt werden. Rezepte ohne Ei können etwas länger aufbewahrt werden. Da Milchprodukte wie Mascarpone und Sahne jedoch schnell den „Kühlschrankgeruch“ annehmen und das Tiramisu bei zu langer Lagerung im Kühlschrank sehr feucht wird, raten wir dir davon ab.

Wenn du mal eine andere Variante ausprobieren möchtest:

Partyportionen

Eine einzelne Portion Tiramisu oder „Tiramisini“, wie die bekannte britische Fernsehköchin Nigella Lawson sie nennen würde, macht sich am besten in einem schönen langstieligen Glas. Falls es keine klassische Dinnerparty werden soll, eignet sich das klassische Wasserglas mindestens genauso gut. Die Größe und Form der Gläser hilft in jedem Fall das Tiramisu besonders locker hinzubekommen. Außerdem sparst du dir die Arbeit wackelige Stücke Tiramisu auf Teller zu transportieren.

Garnierung

Kreativ, aber trotzdem klassisch bleibt es, wenn du eine andere Sorte italienischer Kekse verwendest. Amaretti oder Biscotti eignen sich besonders gut für die im Glas geschichtete Variante. Eine andere Möglichkeit ist das Dekorieren mit gerösteten Kaffeebohnen, gehackten Nüsse (Mandeln oder Haselnüssen passen sehr gut, aber auch Pistazien sind ebenfalls eine gut Idee) oder sogar nussige Krokantsplitter für ein süßes Knuspern.

Limoncello-Tiramisu

Sobald man anfängt verschiedene Zutaten gegen andere auszutauschen, bleibt vom originalen Tiramisu schnell wenig übrig – daher möchte ich ausschließlich im Namen des italienischen Kochs Gennaro Contaldo eine Ausnahme machen.

Diese erfrischende Variante kommt ganz ohne Kaffee aus, stattdessen wird der Löffelbiskuit in hausgemachten Zitronensirup getaucht. Alkohol spielt hier ebenfalls eine Rolle – der klassische italienische Digestif Limoncello gibt der geschlagenen Sahne einen besonders aromatischen Geschmack und schmeckt als kleine als auch als große Portion einfach fantastisch. Gennaro hat auch ein wunderbares Rezept mit Kaffee und Limoncello!

Übergröße

Da Tiramisu ein No-Bake-Dessert ist, kannst du das Rezept ohne Zögern einfach verdoppeln (oder verdreifachen) – solange es noch in den Kühlschrank passt. Für Geburtstagsfeiern bereite ich oft große Mengen zu, dekoriere sie mit Kerzen und jeder kann mit seinem Löffel probieren – Teller vermisst dort keiner.

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