Ist Espresso, Kaffee oder Tee der beste Wachmacher?

Melanie Böhme

Kontributor

Jeden Monat nehmen wir bei Kitchen Stories einen Essens-Mythos genau unter die Lupe, um herauszufinden, was daran wahr oder falsch ist. Hast du auch ein Thema rund um Essen, das dir nicht mehr aus dem Kopf geht und dessen Geheimnis wir für dich lüften sollen? Dann schreib uns einen Kommentar unter diesem Artikel!

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Ein Espresso nach einem guten Essen doch genau das Richtige, oder? Das rundet nicht nur unser Essen ab, sondern macht uns auch fit für den Rest des Tages, denn schließlich steckt in einem Espresso doch mehr Koffein als in einer Tasse Kaffee... oder?

Macht uns Espresso wirklich wacher? Wie viel Koffein steckt wirklich in Espresso, Kaffee und im Tee? Und wie wirkt Koffein überhaupt in unserem Körper?

Wir liefern euch Antworten auf all diese Fragen!

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Der Wachmacher Koffein


Chemisch betrachtet ist Koffein ein Alkaloid, also eine stickstoffhaltige Verbindung, die in Kaffeebohnen, Teeblättern und auch Kakaobohnen vorkommt und eine bestimmte Wirkung auf unseren Körper hat.

Biologisch betrachtet konkurriert das Koffein mit den so genannten Adenosin-Molekülen um Rezeptoren im Gehirn. Adenosin-Moleküle bauen sich im Laufe des Tages auf und zeigen an, dass wir müde sind. Koffein blockiert das Adenosin und hält unser Energielevel aufrecht. Je mehr Oberhand die Koffein-Moleküle gewinnen, desto wacher fühlen wir uns.

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Espresso vs. Filterkaffee

Espresso und Filterkaffee stammen aus den grünen Bohnen der Kaffeekirsche. Weithin geläufig sind Arabica-Bohnen und Robusta-Bohnen. Arabica-Bohnen haben einen Koffeingehalt von ca. 1,2 Prozent, Robusta-Bohnen von ca. 2,2 Prozent. Erst bei der Verarbeitung, ganz konkret beim Rösten der Bohnen, entscheidet sich allerdings, ob in der Tasse ein Espresso oder ein Filterkaffee landet.

Für Filterkaffee werden aufgrund der Aromenvielfalt ausschließlich Arabica-Bohnen verwendet. Nicht nur die Bohne selbst bringt diese Aromen mit, auch die 10 - 15 Minuten lange Röstung trägt zur Geschmacksentfaltung bei. Für einen Espresso werden sowohl Bohnen aus der Arabica- als auch Robusta-Pflanze verwendet. Die Bohne wird im Trommelröster ca. 15 - 18 Minuten geröstet. Durch die längere Röstung verliert die Espressobohne jedoch an Koffein.

Was hat nun mehr Koffein?

Man könnte aufgrund der Verwendung von Robusta-Bohnen annehmen, dass im Espresso mehr Koffein steckt. Entscheidend ist allerdings die Wassermenge im Verhältnis zur verwendeten Kaffeemenge. Ein Espresso wird unter Druck mit weniger Wasser zubereitet als ein Filterkaffee. In einer Tasse Espresso von ca. 25 - 30 ml stecken daher „nur“ bis zu 30 mg Koffein. In einer üblichen Tasse Filterkaffee von ca. 125 ml Füllmenge dagegen bis zu 120 mg.

Und was ist mit Tee?

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Bis vor wenigen Jahren war Cascara-Tee noch als Abfallprodukt bei der Kaffeeaufbereitung bekannt. Er wird aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Kaffeekirsche gewonnen, die wie herkömmlicher Tee aufgebrüht werden. Der Tee hat eine natürliche Süße und schmeckt je nach Herkunft der Kaffeepflanze nach Hagebutte, Kirschen oder Hibiskus. Die Koffeinmenge pro Tasse ist abhängig von den verwendeten Kirschen, in der Regel enthält eine Tasse Cascara aber bis zu ein Fünftel weniger Koffein als ein Filterkaffee.

Schwarzer Tee hat aufgrund des darin befindlichen Teeins eine ähnlich aufputschende Wirkung wie Koffein. In einer 150ml Tasse stecken ca. 30-60 mg Koffein, also nur halb so viel wie in einer Tasse Filterkaffee. Diese Menge kann ihre stimulierende Wirkung aber nur entfalten, wenn der Tee nicht länger als 2 Minuten zieht. Je länger du den Tee ziehen lässt, desto mehr binden die im schwarzen Tee befindlichen Gerbstoffe das Koffein und nehmen ihm die sofortige wachmachende Wirkung.



Grüner Tee enthält im Vergleich zu Kaffee mehr Koffein. Bis zu 3,5 Prozent stecken in den Teeblättern. Ähnlich wie bei der Espresso- und Filterkaffeezubereitung, kommen aber auf eine Tasse grünen Tee weniger Teeblätter als bei einer Tasse Kaffee und somit nur 40-70 mg Koffein pro Tasse.

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Wann hilft Koffein? Und wann nicht?

Aus wissenschaftlicher Sicht die beste Zeit für die Koffeinaufnahme erst 90 Minuten nach dem Aufstehen, denn ist das vom Körper eigens produzierte Stresshormon Cortisol abgebaut.

Die perfekte Zeit für die Koffeinaufnahme ist also am späten Vormittag oder am Nachmittag. Die letzten 6 Stunden vor dem Schlafen solltest du komplett auf Koffein verzichten, denn spätestens mit der Dämmerung schüttet unser Körper Melatonin aus, das uns signalisiert, schlafen zu gehen.

Achtung, auf dieses koffeinhaltige Getränk solltest du vor dem Schlafengehen unbedingt verzichten!

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Gegen eine Tasse Espresso nach einem guten Abendessen ist sicherlich nichts einzuwenden. Auch gegen eine Tasse grüner oder schwarzer Tee ist ist nichts einzuwenden. Aufgrund der vergleichsweise hohen Menge an Koffein solltest du Filterkaffee unmittelbar vor dem Schlafengehen allerdings vermeiden.



Doch auch hier gilt: Jeder Mensch tickt anders und damit auch, wie Koffein auf deinen Körper wirkt. Der eine kann bis zu 5 Stunden vor dem Schlafengehen keinen Kaffee mehr trinken. Der andere schläft umso besser mit einer Tasse Kaffee als Schlummertrunk.

Wann trinkst du deinen Kaffee oder Tee? Oder hältst du Koffein-Regeln für Unsinn? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare!