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Lisa Schölzel

Senior Food Redakteurin bei Kitchen Stories

instagram.com/whatscookinglisa/

Am Wochenende habe ich oft den Ehrgeiz, ein größeres Koch- oder Backprojekt zu beginnen, wenn niemand außer mir da ist, die oder den ich beeindrucken möchte, und ich in der Stimmung bin, zu experimentieren und etwas Neues zu lernen. Wenn ich es aber nicht bin und einfach erfolgreich sein und etwas Leckeres zur Tafel beisteuern möchte, dann mache ich immer wieder diese rustikale Galette. Und sie schmeckt jedes Mal herrlich – und ein bisschen anders.

Jeder kann eine hübsche Galette machen, weil sie nicht nicht gelingen kann. Sie besteht im Grunde genommen aus einer Art Blätterteig, der keine bestimmte Form haben muss, und eine frische, aromatische Füllung zusammenhält und sie ist so einfach, wie sie klingt. Ich habe diese Galette schon etliche Male zubereitet, mal mit süßer, mal mit salziger Füllung. Alles, was gut zu wissen ist, um die perfekt-imperfekte Galette zuzubereiten (für die dann kein eigentliches Rezept mehr erforderlich ist), kommt jetzt:

Ein buttriger Teig mit knusprigen Schichten

Galette-Teig enthält viel Butter, um jene knusprigen Ränder mit tollen Schichten zu erzeugen, die wir alle so sehr lieben (ich hoffe, du auch). Wenn du also Mehl mit etwas Zucker und einer Prise Salz vermischt hast, solltest du jetzt mit kalter Butter arbeiten. Das verhindert, dass die Butter quasi mit dem Mehl verschmilzt und hilft dabei, gröbere (nach dem Backen: knusprige) Stücke zu machen. Du kannst den Teig mit den Händen zubereiten – oder einen Zerkleinerer benutzen.

Zuerst formst du kleine erbsengroße Stücke, indem du Mehl und Butter zwischen deinen Fingern zerreibst, und fügst dann gerade so viel eiskaltes Wasser hinzufügen (kaltes Wasser aus dem Wasserhahn funktioniert genauso gut), dass alles gerade so zusammenklebt. Einige Rezepte verlangen nach Apfelessig, auch damit der Teig besser zusammenhält, du brauchst ihn allerdings nicht extra zu kaufen, wenn du ihn nicht schon zu Hause hast. Es geht auch ohne. Wickel deine Teige in Frischhaltefolie (300 g Mehl plus 200 g Butter ergeben zwei Teige, einen davon bewahre ich für einen spontanen Galette-Hunger im Gefrierschrank auf) und lege ihn in den Kühlschrank.

Jetzt ist es wichtig, den Teig mindestens 30 Minuten, besser eine Stunde, vollständig durchkühlen zu lassen (ich bereite ihn auch gerne bis zu drei Tage im Voraus vor). In der Zwischenzeit kannst du dich der Füllung widmen.

Was du für 2 Galette-Teige brauchst:
300 g Mehl
200 g kalte Butter, gewürfelt
Zucker
1 Prise Salz
(eis-)kaltes Wasser

Optional:
Apfelessig
Passe die Zucker- und Salzmenge an, wenn du eine herzhafte Füllung machst.
Gebe etwas Maismehl zu deinem Teig, wenn du eine Tomatenfüllung oder eine andere recht flüssige Füllung machen möchtest. Es hilft, überschüssiges Wasser aufzusaugen und verhindert, dass der Boden zu weich wird.

Die wandelbare Füllung

Bei der Füllung kannst du mit dem, was du an Gemüse oder Obst zur Hand hast, herumexperimentieren und nach Bedarf anpassen. Es kommt auch nicht so sehr auf die exakt richtige Menge an, diese Faustregel hilft dir allerdings: Ungefähr drei bis vier Hände voll Früchte passen in eine Galette. Wenn du weniger hast, lege die einzelnen Stücke ordentlich nebeneinander (wie ich im Rezept-Video). Wenn du mehr hast, entsteht in der Mitte des Teigs ein kleiner Haufen, der später schön vom Teigrand eingeschlossen wird.

Schneide dein Obst in Scheiben oder Würfel, füge ganz nach eigenem Gusto Zucker und gebe optional etwas Mehl oder Stärke hinzu, um die Feuchtigkeit zu absorbieren. Jetzt kannst du deine Früchte mit Zitronenschale abschmecken – verwende lieber Orangenschale, wenn du Rhabarber verwendest, da er von Natur aus bereits sauer ist. Jetzt kannst du noch etwas Vanille, Zimt oder andere warme Gewürze, Pfeffer- oder Chiliflocken unterrühren. Auch frische Kräuter wie Minze oder Thymian und Rosmarin funktionieren super!

Ein paar Ideen für deine Füllung:
x Erdbeeren, Blaubeere oder andere Beeren mit Zitronenschale, Zucker und Vanille
x Rhabarber, Zitronen- oder Orangenschale, mehr Zucker, Vanille
x Steinobst – oder ein Mix! – mit Vanille und Ahornsirup
x Äpfel, Zucker und Zimt
x Birnen, Zucker und Mandeln
x Tomaten mit Thymian und Crème fraîche
x Spargel mit Ziegenfrischkäse
x Kartoffeln, Zucchini, Zitronen-Ricotta

Deine perfekt-unperfekte Galette formen

Das Unkomplizierte an einer Galette: Der Teig muss in keine Backform passen oder eine bestimmte Form haben. Ein großer Kreis oder ein Rechteck reicht, um ihn dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech zu legen. Dieser Teig ist sehr nachgiebig und aus diesem Grund kann man kaum etwas falsch machen. Bevor ich jetzt die Füllung verteile, bestreue ich den Teig gerne noch mit einer Schicht Zucker oder verstreiche etwas Marmelade für süße Füllungen oder Crème fraîche, Ziegenfrischkäse oder Ricotta für herzhafte in die Mitte und lasse dabei einen großzügigen Rand.

Jetzt kommen deine Früchte, in meinem Fall Rhabarber, in die Mitte und werden ringsherum vom Teigrand eingeschlossen (im Video findest du eine gelingsichere Methode dafür). Du kannst noch etwas mehr Zucker, Ahornsirup, Butterwürfel und/oder frische Kräuter obendrauf geben und die Ränder mit geschmolzener Butter, Ei oder einem Mix aus (Pflanzen-)Milch und Agavendicksaft bestreichen. Für einen extra knusprigen Rand verteile ich darauf immer noch etwas mehr Zucker (das letzte Mal, zum Karamellisieren) und schließe mit Mandelblättchen ab. Ab in den Ofen!

Deine Galette ist fertig gebacken, sobald die Ränder goldbraun sind und die Füllung schön blubbert und weich ist. Lasse sie auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen, damit der Boden nicht durchweicht und möglichst knusprige Schichten auch unter der Füllung entstehen. Oder lasse es, wie ich meistens, und serviere das erste Stück leicht warm mit deinem Lieblingseis oben drauf, das dann köstlich in deine Tarte hineinschmilzt.

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